Einfach zum Nachdenken – Grundsätzliche Überlegungen zum Grünen Prater

Die zahlreichen Vorzüge des Grünen Prater zu preisen hieße vermutlich Eulen nach Athen tragen. Wer schätzt es nicht, dieses – schon allein ob seiner Größe von etwa 450 Hektar – beeindruckende innerstädtische Grüngebiet im Herzen Wiens. Kilometerlang durch Wälder streifen, dem Treiben der einheimischen Tiere in und um eines der zahlreichen Gewässer lauschen oder zusehen, und (vor allem im Bereich des unteren Praters) mit einigem Glück sogar scheue Rehe beobachten. Mehr an Natur wird man selten in einer Großstadt antreffen. Kurzum, Wien, darf sich durchaus glücklich schätzen, mit einem solchen Naturjuwel gesegnet zu sein.

Doch die besonderen Vorzüge des Grünen Praters tragen leider auch zu dessen Gefährdung bei. Wenig überraschend lieben Immobilieninvestoren, Gewerbetreibende und Veranstalter diese einzigartigen Grünflächen. Mit Slogans wie „mitten im Grünen“ lässt sich trefflich für die eigenen Produkte und Dienstleistungen werben, und mit dem Verkaufsargument der unmittelbar nebenan befindlichen Naturoase lassen sich vorzügliche Gewinne einstreifen. Das Problem dabei ist jedoch, dass jedes Immobilienprojekt und jede Veranstaltung im oder am Rand des Grünen Praters unweigerlich den Grünraum belastet und diesen Schritt für Schritt zurückdrängt, wobei dieser beklagenswerte Verlust wertvoller Grünflächen noch vom dadurch ausgelösten zusätzlichen motorisierten Verkehr im und durch den Prater verschlimmert wird. Schließlich wollen Besucher und Lieferanten von Veranstaltungen sowie Nutzer der im Grünen errichteten Gebäude ganz bequem mit deren Kraftfahrzeugen zufahren.

Manch einer mag vielleicht einwenden, dass die von Veranstaltungen und Immobilienprojekten beanspruchten Flächen doch nur einen verschwindend kleinen Bruchteil des riesigen Grünen Praters ausmachen. Das mag vielleicht bei einer jeden Einzelfall nur isoliert betrachtenden Sichtweise vordergründig einer gewissen Logik folgen, erweist sich jedoch als reines Ablenkungsmanöver. Denn 1. reduziert schon jedes einzelne dieser Projekte im Grünen Prater die Grünflächen. 2. müssen die negativen Auswirkungen dieser Projekte auf den Grünen Prater natürlich in deren Gesamtheit betrachtet werden, denn für den Verlust von Grünflächen ist es völlig unerheblich, ob dies durch eine einzelne umfangreiche Maßnahme erfolgt, oder durch zahlreiche kleinere. Schließlich muss 3. natürlich auch die laufende Entwicklung, mit welcher Grünflächen im Prater verschwinden, berücksichtigt werden. Und diese zeigt leider ein voranschreitendes Schrumpfen der Grünflächen.

In diesem Zusammenhang stellen sich unter anderem folgende Fragen:

  • Müssen unbedingt Bürogebäude und Luxuswohnungen (Kaufpreis jenseits der EUR 10.000 pro Quadratmeter) auf vormals als Erholungsgebiet gewidmeten Flächen am Rande des Grünen Praters gebaut werden? Gibt es denn in ganz Wien keine anderen geeigneten Flächen dafür, ohne dass Grünraum zerstört wird?

  • Müssen unbedingt Massenveranstaltungen (etwa die „Wiener Wiesen“) auf den Grünflächen des Praters stattfinden und dort die Wiesen und Bäume extrem belasten, wenn nicht gar zerstören? Gibt es nicht genug andere, die Umwelt weniger schädigende, Veranstaltungsflächen in Wien?

  • Müssen unbedingt motorisierte Fahrzeuge auf der Hauptallee fahren? Jahrzehntelang konnte beispielsweise der Wurstlprater problemlos über die Ausstellungsstraße beliefert werden. Wäre es nicht besser, die Hauptallee den Fußgängern, Joggern, Radfahrern und sonstigen Erholungssuchenden zur ungefährdeten Nutzung ausschließlich zu überlassen und für jeglichen motorisierten Verkehr zu sperren?

  • Müssen Wirte unbedingt ihre Bänke, Stühle und Tische unmittelbar im Landschaftsschutzgebiet Hauptallee aufstellen?

Hier wäre die Politik gefordert, dafür zu sorgen, dass der Grüne Prater bestmöglich geschützt wird und auch zukünftigen Generationen als Naturjuwel erhalten bleibt. Und was tun die politisch Verantwortlichen um der Zurückdrängung des Grünen Praters beziehungsweise dessen Kommerzialisierung Einhalt zu gebieten? Derzeit anscheinend zu wenig.

Bei allen Überlegungen zum Grünen Prater sollte freilich ein Aspekt niemals vergessen werden:

Ist der Grüne Prater erst einmal verschwunden, kommt er nie wieder zurück!

Hoffen wir, dass es nicht soweit kommt!

Autor: M.W.

KaiserwiesenBaumportraits

Heute geht es weiter mit unserer kleinen Reihe der Baumportraits auf der Kaiserwiese. Die bisher vorgestellten Bäume findet ihr hier:

https://kaiserwiese.wordpress.com/2019/02/08/kaiserwiesenbaumportraits/

Heute stellen wir wieder eine der großen alten Pappeln vor. Auf wikipedia findet sich folgendes Zitat:

Die relativ dürreunempfindliche Halblicht- und Pionierbaumart ist ein Flachwurzler und bevorzugt ganzjährig feuchte, frische, lockere, nährstoff- und basenreiche Böden mit kiesigem Lehm und Ton im Untergrund. Sie besiedelt gerne lichte Auwälder großer Flussniederungen, wie sie an Elbe, Donau oder Rhein vorkommen. Unter flussbegleitenden Gehölzen findet man sie besonders häufig im Bereich der Hartholzaue, einem durch nicht regelmäßige Überschwemmungen charakterisierten Auwald. Strauchförmig kann die Silber-Pappel auch trockene Anschwemmungen besiedeln. Auf Moorböden kann sie gleichermaßen wie auf trockenen und armen Sandböden gedeihen. In küstennahen Pionierwäldern ist sie eine regelmäßig anzutreffende Art. Standorte direkt an der Küste dominieren windschiefe Strauchformen. Sowohl Sommerhitze als auch Winterkälte werden von der Silber-Pappel toleriert. Die Silber-Pappel ist eine Charakterart der Assoziation Eichen-Ulmenwald, Hartholzaue (Querco-Ulmetum) aus dem Verband der Erlen-Eschen-Auewälder (Alno-Ulmion).[5]

Da Pappeln Flachwurzler sind ist es umso schlimmer, wie auf der Kaiserwiese mit diesen alten Bäumen umgegangen wird. Das Befahren und Ablagern bis an die Stämme heran wird zur Qual, wenn man sich vorstellt, dass die Wurzeln von Bäumen sich im gesamten Bereich der Baumkrone ausbreiten. Der heute vorgestellte Baum 42 wurzelt also mindestens 10m um der Stamm herum.

 

Baum 42

Silberpappel (Populus alba)
Pflanzjahr 1873
Stammumfang 382cm
Kronendurchmesser >21m
Baumhöhe 21-25m

Baum 42_1

14.03.2019

 

Baum 42_4

14.03.2019

Baum 42_5

14.03.2019

Baum 42_2

Baum 42_3

14.03.2019

 

Autor: Eric Kläring

 

 

KaiserwiesenBaumportraits

Für alle die sich fragen welche Bäume auf der Kaiserwiese stehen, wie groß und wie alt sie sind, stellen wir sie ab sofort in kleinen Baumportraits vor. Die Bilder der heutigen beiden Portraits sprechen für sich! Das Alter dieser Riesen ist ob ihrer Art umso erstaunlicher, wenn man sich überlegt, wie sie durch die vielen, vielen Großveranstaltung unter keinerlei halbwegs vernünftiger und verantwortungsvoller Einhaltung von Schutzmaßnahmen geschunden werden. Wir verzichten aber bei den Baumportraits gerne auf die besagten Horroszenarien während der Großveranstaltungen, sondern zeigen die Bäume in ihrem freigestellten, jeweils aktuellen Zustand auf der Wiese. (Leider konnten wir den WinterCircus nicht wegzaubern…)

Sehr hilfreich und informativ für unsere Portraits ist der von der Stadt Wien angebotene Baumkataster, in dem die Bäume der Stadt kartiert und teilweise detailliert beschrieben sind. Wir greifen sehr gerne auf dieses hervorragende Archiv zu: https://www.wien.gv.at/umweltgut/public/

Baum 6

Graupappel (Populus x canescens)
Pflanzjahr 1864
Stammumfang 405cm
Kronendurchmesser >21m
Baumhöhe 26-30m

Baum 6_1

29.01.2019

Baumkataster_Baumnummer 06

Baum 6_2

29.01.2019

Baum 6_3

29.01.2019

Baum 18

Silberpappel (Populus alba)
Pflanzjahr 1812
Stammumfang 535cm
Kronendurchmesser >21m
Baumhöhe 21-25m

Baum 18_1

14.01.2019

Baumkataster_Baumnummer 18

Baum 18_2

14.01.2019

Baum 18_3

14.01.2019

von Eric Kläring