Genießen wir die Kaiserwiese, solange sie noch Wiese ist!

Im heutigen Beitrag wollen wir – man mag es kaum glauben – der Prater Wien GmbH gegenüber unsere Bewunderung bekunden. Zugegeben, wir haben etwas länger dafür gebraucht, um die Originalität und Genialität deren Plans für die Kaiserwiese zu erkennen, aber jetzt kommen wir nicht mehr aus dem Staunen. Und das kam so …

Bekanntlich verwaltet die Prater Wien GmbH (registriert im Firmenbuch unter der Nummer FN 287898f) unter anderem auch die Kaiserwiese (wir haben im Jänner 2019 näher darüber berichtet). Im vergangenen Jahr (angeblich am 29.05.2018) hat nun die Prater Wien GmbH eine vor ihr so genannte „Benützungsregelung für den Wiener Volksprater“ (nachfolgend kurz als die „Hausordnung“ bezeichnet) veröffentlicht, welche sich laut deren Punkt 1. eben auch auf die Kaiserwiese erstrecken soll. Betrachtet man diese Hausordnung im Detail, erkennt man recht schnell, dass die Nutzung der Kaiserwiese durch Privatpersonen zu Erholungszwecken von der Prater Wien GmbH nicht erwünscht sein dürfte. So ist beispielsweise das „Herumlungern“ (was auch immer konkret darunter verstanden werden soll) gemäß Punkt 5 a. untersagt, und wird mit einem Platzverbot geahndet. Außerdem sind nach Punkt 5 c. jegliche Arten von Ballspielen und sportlichen Aktivitäten verboten. Hier stellt sich dem einfachen Bürger vermutlich sofort die spannende Frage, wie sich denn diese von der Prater Wien GmbH ausgesprochenen strikten Verbote mit der Widmung der Kaiserwiese als öffentliches Erholungsgebiet Parkanlage (Epk) vertragen sollen. Ist es denn nicht geradezu Zweck eines öffentlichen Erholungsgebietes darin je nach persönlicher Vorliebe ohne jegliche Aktivität auszuspannen (in der Diktion der Prater Wien GmbH wohl „herumzulungern“) oder eben einer sportlichen Aktivität nachzugehen? Allem Anschein nach soll also – zumindest nach den der Hausordnung zu entnehmenden Vorstellungen der Prater Wien GmbH – dem einfachen Bürger die Nutzung der Kaiserwiese praktisch verwehrt bleiben. Er darf dort ja weder nichtstuend herumliegen noch Sport betreiben. Allerdings gibt es (wenig verwunderlich) eine große Ausnahme: Für von der Prater Wien GmbH genehmigte Veranstaltungen gelten diese Verbote (natürlich) nicht! Zugespitzt formuliert: Solange dafür Geld in die Kassen der Prater Wien GmbH fließt, darf man auf der Kaiserwiese machen was man will. Wer hingegen nichts zahlt, soll die Kaiserwiese besser erst gar nicht betreten. So zumindest wenn man die Bestimmungen in der Hausordnung näher analysiert. Und dass es der Prater Wien GmbH damit recht ernst sein dürfte, zeigen auch im April 2019 beobachtete Vertreibungen von sich auf der Kaiserwiese niedergelassener Personen durch Mitarbeiter der Prater Wien GmbH. Ohne diese Vorfälle hier näher zu thematisieren, gehen wir allerdings davon aus, dass diese merkwürdige Vorgangsweise ein zumindest politisches „Nachspiel“ nach sich ziehen wird. Aber, und hier kommt jetzt der Clou, in naher Zukunft werden Vertreibungen und Platzverbote faktisch gar nicht mehr nötig sein, um die Kaiserwiese „frei“ zu halten. Das wird sich nämlich durch die äußeren Umstände vermutlich fast von selbst ergeben.

Dem aufmerksamen Beobachter werden die in letzter Zeit (wie auch am 3. Mai 2019) immer häufiger auf der Kaiserwiese anzutreffenden „Wasserlacken“ kaum entgangen sein. Manche davon erreichen gut und gerne eine flächenmäßige Ausdehnung von 15 bis 20 Quadratmetern, und halten sich teilweise über mehrere Wochen. Der Grund für deren Auftreten ist wahrlich kein besonderes Geheimnis. Seit einigen Jahren lässt die Prater Wien GmbH nahezu keine Gelegenheit aus, um die Bodenschichten auf der Kaiserwiese nachhaltig zu verdichten. Vor allem beim Auf- und Abbau von Einrichtungen für diverse Veranstaltungen fahren (manchmal monatelang) tonnenschwere LKW und Baumaschinen kreuz und quer auf der Kaiserwiese herum. Und während der Veranstaltungen selbst pressen dann die noch schwereren Aufbauten die Bodenschichten darunter restlos zusammen. So ist es kaum verwunderlich, wenn der Boden unterhalb der obersten Grasschicht mit der Zeit nahezu undurchdringlich geworden ist. Die desaströsen Auswirkungen der Veranstaltungen auf die (sichtbare) Grasschicht springen jedermann sofort ins Auge. So gibt es beispielsweise jeden Oktober nach der „Wiener Wiesn“ auf der Kaiserwiese – salopp gesagt – kaum noch einen lebenden Grashalm. Weil diese Zerstörung zu offensichtlich ist, wird deshalb – vermutlich zur Besänftigung der Bevölkerung – auch jährlich ein neuer Rollrasen verlegt. Das kann aber gelinde gesagt bestenfalls als „oberflächliches Ablenkungsmanöver“ bezeichnet werden. Die eigentliche Zerstörung liegt nämlich tiefer im Boden. Und weil eben die Schichten unterhalb des darüber ausgerollten „Grasteppichs“ mittlerweile so verdichtet sind, kann Wasser dort nicht versickern und verbleibt stattdessen an der Oberfläche, wo es die beobachteten Lacken und Tümpeln bildet. Was für gelegentlich die Kaiserwiese besuchende Wasservögel womöglich angenehm sein mag, bedeutet für die erholungssuchende Bevölkerung den faktischen Ausschluss von jeglicher Benutzung der Kaiserwiese, legt sich doch fast niemand freiwillig in eine Pfütze. (Die fatalen Auswirkungen der Bodenverdichtung auf die auf der Kaiserwiese wachsenden Bäume und deren Wurzeln seien hier lediglich am Rande erwähnt, und sollen in einem eigenen Beitrag dazu näher erörtert werden.)

Und hier zeigt sich jetzt die beeindruckende Meisterhaftigkeit des Plans der Prater Wien GmbH. Man organisiere möglichst viele Veranstaltungen auf der Kaiserwiese, vorzugsweise solche, in deren Zuge die Wiese mit schwerem Gerät „zugepflastert“ wird. Das steigert einerseits die Gewinne, und andrerseits wird der Boden mit jeder Veranstaltung stärker verdichtet. Den kritischen Beobachtern streut man Sand (hier eher „Rasen“) in die Augen, indem man nach jeder Veranstaltung einen neuen grünen Teppich über die Kaiserwiese rollt – was vielleicht schön aussehen mag, der Wiese in Wahrheit aber überhaupt nichts bringt – während die tieferen Bodenschichten nach und nach absterben. Sobald sich dann zwangsläufig infolge der Bodenverdichtung immer häufiger „oberflächliche Großstadtsümpfe“ bilden, braucht man auch gar nicht mehr mit fragwürdigen Maßnahmen gegen auf der Kaiserwiese verweilende ungebetene Erholungssuchende vorgehen, weil deren keine mehr auf der (triefend nassen) Wiese anzutreffen sind. Auf Veranstaltungen hat das auf der Wiese stehende, nicht versickernde, Wasser ohnehin keine negativen Auswirkungen, finden diese doch, wie prototypisch die „Wiener Wiesen“, auf eigens dafür verlegten Plattformen statt, damit nur ja nicht die Schuhe der zahlenden Besucher nass werden.

Und, kommen Sie, geschätzter Leser, jetzt ob dieser atemberaubenden Genialität nicht mehr aus dem Staunen heraus? Nun, diese ließe sich sogar noch eine Stufe steigern:

Nach Jahren des institutionalisierten Austausches mittlerweile permanent durchnässter Rasenteppiche, taucht plötzlich der Vorschlag auf, man möge doch in Erwägung ziehen, die Kaiserwiese komplett zu versiegeln (sprich: „betonieren“), um den ökologischen Problemen Herr zu werden, und die permanenten „Überflutungen“ zu unterbinden. Wenn sich daraufhin auch noch ein Politiker zur Wort meldet und zur Beschwichtigung der verunsicherten Bevölkerung verkündet. „Niemand hat die Absicht die Kaiserwiese zu betonieren!“, (copyright Walter Ulbricht, SED) dann können Sie mit Sicherheit davon ausgehen, dass der Wiese letzte Stunde geschlagen hat, und demnächst eine allenfalls zur Tarnung grün bemalte, sowie mit mobilen Baumattrappen ausgestattete Betonfläche das Vorfeld des Riesenrads schmückt. Die nachfolgende Umbenennung von „Kaiserwiese“ in „Kaiserplatz“ sollte dann keine unüberwindbaren Probleme mehr aufwerfen.

In diesem Sinne: Genießen Sie die Kaiserwiese, solange sie noch eine Wiese ist, und hoffen wir, dass aus Ironie kein Ernst wird.

Foto vom Freitag, 3. Mai 2019

Autor: M. W.

Jeder Baum zählt! Auch die toten?!

In Wien hat jeder Baum eine Nummer und ist damit im Baumkataster erfasst. Immer wieder findet man im Grünen Prater allerdings Baumstümpfe, die eine Nummer haben.

Was hat das zu bedeuten?

Ich dachte zuerst, das ist eine vorläufige Sache und bedeutet, dass der entsprechende Baum bald nachgepflanzt wird. Allerdings habe ich auch Baumstümpfe mit Nummer gefunden, die von Efeu umrankt sind. So vorläufige scheinen diese Markierungen also nicht zu sein.

Hat jemand eine Erklärung für die nummerierten Baumleichen?

(BaumNrn: 387M, 72M, 2010M, 4010M, 15R [Efeu] – alle hinterm Konstantinteich bei der Spenadlwiese)

Autorin: Eva Müller

4 Bäume.jpgBaum mit Efeu.jpg

KaiserwiesenBaumportraits

Heute stellen wir Euch die große alte Dame der Kaiserwiesenbäume vor. Es ist eine Schwarzpappel und sie steht bereits seit 223 Jahren an dieser Stelle! Sie wurde 1796, also ca. 30 Jahre nach der Öffnung des Praters durch Joseph II. für die Allgemeinheit, in den damaligen Kaisergärten gepflanzt.

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Kaisergarten_(2)

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/images/0/08/WSTLA_KS_Plan_und_Schriftenkammer_P10_2_102464_002.jpg

Kaisergarten mit Praterstern (um 1858)

Baum 17

Schwarzpappel (Populus nigra)
Pflanzjahr 1796
Stammumfang 572cm
Kronendurchmesser 19-21m
Baumhöhe 26-30m

Baum 17_1

06.04.2019

Baumkataster_Baumnummer 17

Baum 17_2

06.04.2019

Baum 17_3

06.04.2019

Baum 17_4

06.04.2019

https://de.wikipedia.org/wiki/Borke :

Die Borke ist die äußerste Schicht der Rinde bei den meisten Bäumen. Sie entsteht aus dem Kork und abgestorbenen Teilen des Bastes. Die Borke schützt die darunterliegenden Schichten des Baumstamms vor physikalischen Einflüssen, wie Temperatur, Regen, Wind, Sonne, Feuer und mechanischen Einflüssen und sie dient als Abwehr von Schädlingen und Infektionen.

 

 

Autor: Eric Kläring

Warum wir uns alle für den Erhalt des Grünen Praters einsetzen sollten!

An dieser Stelle hätte diese Woche ein weiterer Bericht über neue bzw. vergrößerte Gastronomiebetriebe oder Sportflächen innerhalb des Grünen Praters stehen sollen. Der Frühlingsbeginn und das schöne Wetter in den letzten Wochen haben uns allerdings wieder vor Augen geführt, wie wunderbar der Grüne Prater doch ist.

Deshalb ist es jetzt auch mal an der Zeit aufzuzeigen, warum wir uns alle für den Erhalt des Grünen Praters einsetzen sollten:

weil der Grüner Prater ein ca. 6km großes Naherholungsgebiet in einer Großstadt ist

weil der Grüne Prater die grüne Lunge der wachsenden Stadt Wien ist

weil der Grüner Prater teilweise noch die Vegetation eines Auwaldes besitzt

weil der Grüner Prater die Stadt Wien kühlt

weil wir im Grünen Prater in zunehmend heißeren Sommern in der Stadt Zuflucht unter den kühlenden Bäumen finden

weil im Grünen Prater im Winter auf dem Hügel der Jesuitenwiese Kinder Ski fahren oder

rodeln können

weil man auf den Wiesen des Grünen Praters wunderbar picknicken, Fußball spielen, slacklinen oder einfach nur faulenzen kann

weil die Liliputbahn, die es seit 1928 gibt, durch den Grünen Prater fährt

… weil es im Grünen Prater den Stadtwanderweg Nr. 9 gibt und man herrlich stundenlang wandern kann

weil man im Grünen Prater Bärlauch pflücken kann

weil man im Grünen Prater Kastanien sammeln kann

weil man im Grünen Prater manchmal Rehe sieht, die die Hauptallee queren

weil man im Grünen Prater Erholung findet, wenn man nicht mal schnell übers Wochenende aus der Stadt rausfahren kann

weil der Grüne Prater mit öffentlichen Verkehrsmittel perfekt erreichbar ist und man kein Auto braucht

und und und …

Deshalb sollte uns der Grüne Prater nicht egal sein!

 

Autorin: Sabine Edler

Kraftfahrzeuge auf der Hauptalle

Werte Leser!

Gehören Sie etwa auch zu jenen zahlreichen Wienern und Wienerinnen die an einem herrlichen Tag auf der Suche nach ein wenig Erholung vom Alltagsstress vergnügt durch den Prater laufen, radeln oder spazieren, und – zumindest gelegentlich – auch daran denken, welch großes Glück wir eigentlich haben, mit so einem wunderbaren Naherholungsgebiet wie unserem Prater gesegnet zu sein? Dann werden Sie vermutlich auch bemerkt haben, wie diese Idylle immer wieder abrupt durch über die Hauptallee brausende Kraftfahrzeuge gestört / unterbrochen wird. Und dann werden Sie sich vielleicht fragen, warum das eigentlich so ist? Wie kann es sein, dass mitten durch den Prater Lastwagen donnern und die erholungssuchende Bevölkerung nicht nur stören, sondern sogar unnötige Gefahrenquellen für Mensch und Tier schaffen. Man möchte ja nicht einmal daran denken was dann los ist, wenn das erste Kind auf der Hauptallee von einem Kraftfahrzeug angefahren/überfahren wird. Aber sehen wir uns die Situation einmal im Detail an:

Die höchste Verkehrsbelastung auf der Hauptallee besteht auf dem Teilstück vom Praterstern bis zur Rotundenallee/Kaiserallee. In diesem Bereich ist nämlich derzeit vorgesehen, dass Anrainer und Lieferanten mit motorisierten Fahrzeugen fahren dürften. Und, soweit dies den dort angebrachten Verkehrsschildern zu entnehmen ist, sogar ohne jegliche Einschränkungen. Das muss man sich einmal vorstellen: Auf dem von Erholungssuchenden am stärksten frequentierten Teilabschnitt der Hauptallee (es handelt sich eben um den Eingang in den Prater) sollen Anrainer und Lieferanten mit Kraftfahrzeugen beliebig fahren dürfen. Was soll denn dieser Unsinn. Wem kann denn nur so etwas einfallen? Die Hauptallee ist doch kein Lieferweg! Sieht man sich die Lage vor Ort näher an, wird rasch klar, dass es Leute aus dem von der Prater Wien GmbH verwalteten „Wurstlprater“ sowie deren Lieferanten sind, die kreuz und quer auf der und über die Hauptallee fahren. Mal ist es ein Bierlieferwagen, mal ein privater Pkw. Und alle biegen sie dann von der Hauptallee nach Nordosten in das Gebiet der Prater Wien GmbH ab, oder fahren von dort auf die Hauptallee auf. Die Hauptallee scheint zur zentralen An- und Abfahrtsroute in das von der Prater Wien GmbH verwaltete Gebiet verkommen zu sein. Und Warum?!? Sieht man sich die Verkehrswege im Wurstlprater genauer an, wird schnell klar, dass überhaupt kein Grund ersichtlich ist, weswegen ein Anrainer- bzw. Lieferantenverkehr in den Wurstlprater ausgerechnet über die Hauptallee erfolgen sollte. Die Zu- und Ausfahrt für Anrainer und Lieferanten ist nämlich völlig problemlos über die Straße des 1. Mai, den Eduard-Lang Weg und die Waldsteingartenstraße möglich. Selbst Einrichtungen die sich unmittelbar am Rand der Hauptallee befinden (wie z.B. die sogenannte „Meierei“) lassen sich über die drei erwähnten Straßen, welche allesamt im von der Prater Wien GmbH verwalteten Gebiet liegen, mit Kraftfahrzeugen erreichen. Warum also soll jetzt die erholungssuchende Bevölkerung durch Kraftfahrzeuge gefährdet und gestört sowie die Hauptallee als Zufahrtsstraße „missbraucht“ werden? Kann es vielleicht daran liegen, dass die Prater Wien GmbH, den Verkehr, der eigentlich das von ihr verwaltete Gebiet betrifft, einfach in das Erholungsgebiet Prater verlagert, damit Praterunternehmer möglichst nicht durch den von ihnen selbst geschaffenen Verkehr beeinträchtigt werden? Oder liegt es auch schlichtweg an der Bequemlichkeit so mancher Praterunternehmer, lieber eine „Abkürzung“ über die Hauptallee zu nehmen, anstatt über die Ausstellungsstraße kommend durch den Wurstlprater zu ihren Betrieben zu fahren? Als Begründung für eine Fahrerlaubnis auf und über die Hauptallee reicht wohl beides nicht aus. Bequemlichkeit oder Verlagerung des selbst geschaffenen Verkehrs kann doch niemals eine unnötige Beeinträchtigung und sogar Gefährdung der unzähligen Läufer, Radfahrer, Spaziergänger und sonstigen Erholungssuchenden auf der Hauptallee rechtfertigen. Wie man es auch drehen und wenden mag, es gibt überhaupt keinen Grund dafür, motorisierten Verkehr auf der Hauptallee zuzulassen.

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Besonders erhellend in diesem Zusammenhang ist ein Blick auf die von der Prater Wien GmbH selbst für das von ihr verwaltete Gebiet erlassenen Regelungen (nachzulesen etwa auf einem Anschlag neben dem Kugelmugel). Demnach herrscht im Wurstlprater generelles Fahrverbot für motorisierte Fahrzeuge. Ausnahmen gibt es zwar für Lieferverkehr und Berechtigte, aber nur in der Zeit von 00:00 bis 12:00 Uhr von Montag bis Samstag beziehungsweise 00:00 bis 10:00 Uhr an Sonntagen. Mit anderen Worten, spätestens ab 12:00 Uhr Mittag gilt selbst im Wurstlprater für jedermann absolutes Fahrverbot. Das wirft natürlich sofort die Frage auf, wieso beispielswiese ein Anrainer oder Lieferant an einem Nachmittag in der Hauptallee fahren dürfen soll? In den Wurstlprater hinein, darf er mit seinem Kraftfahrzeug ja ganz offensichtlich gar nicht fahren. Weswegen eine Erlaubnis, zu dieser Zeit die Hauptallee befahren zu dürfen mehr als absurd erscheint. Darüberhinaus zeigt auch die von der Prater Wien GmbH verfügte zeitliche Einschränkung des motorisierten Verkehrs in dem von ihr verwalteten Gebiet, dass es selbst nach Auffassung der Prater Wien GmbH ziemlich störend, jedenfalls aber keinesfalls erstrebenswert ist, wenn rund um die Uhr LKW durch den Prater fahren. Und jetzt schüttelt der aufmerksame Leser sicherlich nur noch ungläubig den Kopf, wenn er liest, dass Anrainer und Lieferanten beliebig und ohne zeitliche Einschränkung auf der Hauptallee fahren dürfen. Wenn die Praterbetriebe und die Prater Wien GmbH unbedingt Zufahrtsmöglichkeiten für Kraftfahrzeuge benötigen, dann sollen sie diese doch über ihr eigenes Gebiet zur Verfügung stellen und nicht über ein der Allgemeinheit dienendes Erholungsgebiet. Es sind schließlich die Praterunternehmer und die Prater Wien GmbH die den alleinigen Vorteil aus dem motorisierten Verkehr über die Hauptallee ziehen, während für die Allgemeinheit nichts außer Störungen und Gefährdungen bleiben. Eine derart einseitige Interessenlage erscheint in höchstem Grad unfair. Man ist geneigt den Schluss zu ziehen, dass sich hier eine kleine Gruppe auf Kosten der Allgemeinheit sei es aus Bequemlichkeit oder Profitstreben ungerechtfertigte Sondervorteile zuschanzt.

Und wie sieht es eigentlich auf den anderen Teilabschnitten der Hauptallee mit dem motorisierten Verkehr aus? Nun ja, von der Rotundenallee bis zum Lusthaus gilt absolutes Fahrverbot. Lediglich im letzten Teil vor dem Lusthaus gibt es – infolge der Reitgebiete im Unteren Prater und in der Freudenau – gewisse Ausnahmen für Pferde.

Dass es auch anders geht, zeigt übrigens der Abschnitt von der Lusthausstraße bis zum Lusthaus. Vor wenigen Jahren brausten dort noch Kraftfahrzeuge über die Hauptallee. Doch erfreulicherweise gelang es der Politik, den motorisierten Verkehr aus diesem Bereich der Hauptallee zu verbannen. Und jeder, der heute dort spaziert kann den Prater ohne Störung durch Autos und dergleichen vollends genießen. Wäre so ein paradiesischer Zustand nicht auch für den Abschnitt vom Praterstern bis zur Rotundenalle wünschenswert? Wer mag so einem Ansinnen schon widersprechen?

Die zuständigen Entscheidungsträger (MA 46 Verkehrsangelegenheiten sowie die Bezirksvorstehung) befinden sich übrigens derzeit beide in Hand der „Grünen“ (Vizebürgermeisterin Vassilakou und Bezirksvorsteherin Lichtenegger). Es wäre doch gelacht, wenn es ausgerechnet in einer solchen politischen Konstellation nicht möglich sein sollte, den motorisierten Verkehr gänzlich aus der Hauptallee herauszuhalten und so den Prater grüner zu machen. Wir bleiben jedenfalls an der Sache dran, und werden sicherlich noch vor den nächsten Wiener Wahlen darüber berichten.

Autor: M.W.

Wiesenportraits: die Jesuitenwiese

Jeden Freitag Neues von der Kaiserwiese!
Es geht weiter in der Reihe der Wiesenportraits, die wir für das Urbanize 2015 gemacht haben.
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Heute: die Jesuitenwiese (no.4 am Schwarzplan).

Die Jesuitenwiese als Rodelhügel (1956), Quelle: Wikipedia

„Party & Picknick“, „Spielen & Rodeln“ haben wir uns damals als Motto dieser Praterwiese überlegt. Die Grenzen dieses öffentlichen Freiraums, auf dem alljährlich das beliebte Volksstimmefest stattfindet, sind gar nicht so einfach zu ziehen. Das erinnert uns an die seit Jahren offene Frage, wo eigentlich die Grenzen des Praters sind ?!
Wie dem auch sei, die Jesuitenwiese ist groß (86.000 m² laut unserer Umgrenzung), sie hat einen Hügel, sie hat Festivals, sie hat viel Spielangebot, Weite und Wiese. So schön, dass es sie gibt! Auf der Jesuitenwiese herrscht Hundeverbot.
Was fällt Euch zur Jesuitenwiese ein?
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Autorin: Nicole Raker

Autos raus aus dem Grünen Prater!!

Über die Meiereistraße und Stadionallee fahren wochentags immer noch tausende Autos mitten durch den Grünen Prater. Das ist nicht nur extrem gefährlich für alle SpaziergängerInnen, JoggerInnen und RadlerInnen auf der Hauptallee. Es ist auch total widersinnig: Mitten durch eine der größten „grünen Lungen“ Wiens, verläuft eine stark befahrene Straße!!!

Wann wird der Autoverkehr im Prater endlich gestoppt!?!

Zugegeben, die Durchfahrt durch den Prater ist praktisch (ich bin selber Autofahrerin) und ermöglicht eine schnelle Verbindung von 2. und 3. Bezirk. Aber nur weil’s praktisch ist und den AutofahrerInnen zugutekommt, heißt das noch lange nicht, dass es richtig ist. Denn intakter Grünraum ist langfristig wesentlich wichtiger für eine Großstadt, als schnell von A nach B zu kommen. Für Letzteres sollten soundso endlich Verkehrskonzepte entwickelt werden, die ohne Auto auskommen!

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Autorin: Eva Müller

KaiserwiesenBaumportraits

Heute geht es weiter mit unserer kleinen Reihe der Baumportraits auf der Kaiserwiese. Die bisher vorgestellten Bäume findet ihr hier:

https://kaiserwiese.wordpress.com/2019/02/08/kaiserwiesenbaumportraits/

Heute stellen wir wieder eine der großen alten Pappeln vor. Auf wikipedia findet sich folgendes Zitat:

Die relativ dürreunempfindliche Halblicht- und Pionierbaumart ist ein Flachwurzler und bevorzugt ganzjährig feuchte, frische, lockere, nährstoff- und basenreiche Böden mit kiesigem Lehm und Ton im Untergrund. Sie besiedelt gerne lichte Auwälder großer Flussniederungen, wie sie an Elbe, Donau oder Rhein vorkommen. Unter flussbegleitenden Gehölzen findet man sie besonders häufig im Bereich der Hartholzaue, einem durch nicht regelmäßige Überschwemmungen charakterisierten Auwald. Strauchförmig kann die Silber-Pappel auch trockene Anschwemmungen besiedeln. Auf Moorböden kann sie gleichermaßen wie auf trockenen und armen Sandböden gedeihen. In küstennahen Pionierwäldern ist sie eine regelmäßig anzutreffende Art. Standorte direkt an der Küste dominieren windschiefe Strauchformen. Sowohl Sommerhitze als auch Winterkälte werden von der Silber-Pappel toleriert. Die Silber-Pappel ist eine Charakterart der Assoziation Eichen-Ulmenwald, Hartholzaue (Querco-Ulmetum) aus dem Verband der Erlen-Eschen-Auewälder (Alno-Ulmion).[5]

Da Pappeln Flachwurzler sind ist es umso schlimmer, wie auf der Kaiserwiese mit diesen alten Bäumen umgegangen wird. Das Befahren und Ablagern bis an die Stämme heran wird zur Qual, wenn man sich vorstellt, dass die Wurzeln von Bäumen sich im gesamten Bereich der Baumkrone ausbreiten. Der heute vorgestellte Baum 42 wurzelt also mindestens 10m um der Stamm herum.

 

Baum 42

Silberpappel (Populus alba)
Pflanzjahr 1873
Stammumfang 382cm
Kronendurchmesser >21m
Baumhöhe 21-25m

Baum 42_1

14.03.2019

 

Baum 42_4

14.03.2019

Baum 42_5

14.03.2019

Baum 42_2

Baum 42_3

14.03.2019

 

Autor: Eric Kläring

 

 

Kommerz um jeden Preis?

Nach dem Palazzo 2014 hat es 2018/2019 also tatsächlich wieder eine mehrmonatige Veranstaltung – der Wintercircus – auf die Kaiserwiese geschafft. Die Kommerzialisierung der Kaiserwiese steht exemplarisch für den allgemeinen Trend, öffentlichen Freiraum für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Dass es mit der Kaiserwiese eine Grünfläche trifft, ist besonders bitter. In Zeiten, wo sich weltweit jeden Freitag abertausende Schüler*innen zu Demonstrationen „Fridays for Future“ zusammentun, um gegen den Klimawandel und für ihre Zukunft zu streiken, wird in Wien der Wert des Grünen Praters nicht und nicht erkannt.

Die Begehrlichkeiten an Grünflächen hören nicht bei der Kaiserwiese auf, sondern werden auch immer mehr in den Grünen Prater verschoben. In den letzten Jahren haben diverse Laufevents in der Hauptallee zugenommen, die teilweise (der X-Cross Run 2018) sogar durch Landschaftsschutzgebiet führten. Diese Routenführung wurde lt. der Bezirksvorstehung für heuer glücklicherweise nicht mehr genehmigt. Diese Eventisierung und neue Wohnbauten (WU, Krieau, Nordbahnhofviertel und bereits begonnen – das Prater Glacis in der Perspektivstraße), sprich auch starker Bevölkerungswachstum im 2. Bezirk, machen den Grünen Prater zusehends für Gastronomie und Sportflächen interessant. Wenn man darauf aufmerksam macht, geht es relativ schnell, als Spaßverderber*in dazustehen. Offenbar ist es nicht mehr zeitgemäß, dass Menschen einfach nur die Ruhe in der Natur – die der Grüner Prater sehr wohl bietet – genießen. Oberstes Gebot ist es, sich bespaßen zu lassen und zu konsumieren.

In weiteren Wochenbeiträgen werden wir einen Blick auf die in den letzten Jahren entstandenen bzw. ausgebauten Gastronomie- und Sportflächen werfen. Den Start macht die Pratersauna. Zwar nicht direkt, aber gleich neben dem Erholungsgebiet gelegen. Nachdem die beiden letzten Pächter die zum Club generalsanierte Pratersauna Ende 2015 geschlossen haben, wurde die Location vom jetzigen Besitzer 2016 revitalisiert. Die alte Mauer wurde abgerissen, der Garten erweitert und Sand in den Gartenbereich gekarrt. Das mag alles legitim sein, dennoch darf man sich schon die Frage stellen, warum es notwendig ist, Grün zu entfernen, um dann in einem Beachclub im eigentlich Grünen zu sitzen.

Autorin: Sabine Edler

Fotos: 2016

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Der rechtliche Status des Grünen Praters

Im heutigen Beitrag richten wir unsere Aufmerksamkeit über die Kaiserwiese hinaus, und betrachten die Eigentumsverhältnisse und Flächenwidmungen im gesamten Grünen Prater (damit sind die bebauungsfreien Flächen beidseits der Hauptallee gemeint).

1. Eigentumsverhältnisse

Vereinfacht gesagt, sind die Flächen des Grünen Praters auf 3 Einlagezahlen („EZ“) im Grundbuch verteilt.

A.) Die Flächen nordöstlich der Hauptallee (das ist die Seite, auf welcher sich das Stadionbad befindet) sind im Grundbuch unter den Einlagezahlen (EZ) 5723 und (EZ) 5900 in der Katastralgemeinde (KG) 01657 Leopoldstadt registriert. In diesen beiden Einlagezahlen werden an die hundert einzelne Grundstücke zusammengefasst. Insgesamt beträgt das Ausmaß dieser beiden EZ laut Grundbuch etwa 2,1 km².

Als Eigentümer der EZ 5723 und 5900 ist im Grundbuch die Stadt Wien eingetragen.

Die Flächen des sogenannten „Wurstlpraters“ sind übrigens als Grundstück mit der Nummer 4015 (mit einem Flächenausmaß von etwa 239.000 m²) ebenfalls Bestandteil der EZ 5723 und stehen somit im Alleineigentum der Stadt Wien.

B.) Die Flächen südwestlich der Hauptallee (das ist die Seite, auf welcher sich der Konstantinhügel befindet) sind im Grundbuch unter der Einlagezahl (EZ) 1418 in der Katastralgemeinde (KG) 01657 Leopoldstadt registriert. In dieser Einlagezahl werden hunderte einzelne Grundstücke zusammengefasst, wobei viele davon Kleingärten sind. Insgesamt beträgt das Ausmaß dieser EZ laut Grundbuch etwa 2,25 km². Durch Abschreibungen von Grundstücken, beispielsweise infolge von Privatisierungen, verändert sich jedoch das Ausmaß der EZ 1418 laufend. Im Juli 2010 waren es noch rund 2,62 km², also um etwa 370.000 m² mehr als derzeit.

Als Eigentümer der EZ 1418 ist im Grundbuch die Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H. eingetragen. Diese ist unter der Nummer FN 34897w im Firmenbuch registriert. Die Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H. ihrerseits steht – über eine Zwischenbeteiligung (die „Österreichische Beteiligungs AG“, FN 80286v) – zu 100% im Eigentum der Republik Österreich.

2. Widmung und zulässige Nutzungen

Die für die Flächen des grünen Praters geltenden Widmungen finden sich in den Plandokumenten mit den Nummern 7021, 7022, 7112, 7625, 7774, 7776, und 8121. Das Plandokument 7021 (dieses betrifft ein Gebiet im Unteren Prater zwischen Südosttangente und Bahnstrecke) ist derzeit allerdings Gegenstand eines Umwidmungsverfahrens.

Auf beiden Seiten der Hauptallee befinden sich zum größten Teil als Parkschutzgebiete („Spk“) gewidmete Flächen. Zwischen den einzelnen Parkschutzgebieten existieren auch mehrere Widmungen als Erholungsgebiete, und zwar solche für Parkanlagen („Epk“), Sport- und Spielplätze („Esp“), und Freibäder („Ebd“). Die an die Hauptallee grenzenden Flächen des „Wurstlpraters“ sind als Sondergebiet Vergnügungsstätte („SO“) gewidmet.

Gemäß § 6 Absatz 4 der Bauordnung für Wien sind Parkschutzgebiete „für das Anlegen von Gartenanlagen“ bestimmt. „In Parkschutzgebieten dürfen nur die nach den Bestimmungen des Bebauungsplanes (§ 5 Abs. 4 lit. e) zulässigen Bauwerke errichtet werden.“ Für die detaillierten Regelungen wird auf die oben angeführten Plandokumente verwiesen.

Kurzum, der Grüne Prater steht zu annähernd gleich großen Teilen im Eigentum der Republik Österreich sowie der Stadt Wien. Auf den Flächen des Bundes (Südwesten) gibt es jedoch wesentlich umfangreichere Schutzgebiete als auf Seiten der Stadt Wien (Nordosten), wo Widmungen für Erholungsgebiete, Sportanlagen und Sondergebiete dominieren.

Festgelegt und geändert werden Widmungen durch Verordnungen des Gemeinderats der Stadt Wien (siehe § 1 der Bauordnung für Wien). Zuletzt wurden beispielsweise Flächen rund um die Trabrennbahn in der Krieau von Erholungsgebieten in Gemischte Baugebiete umgewidmet (siehe Plandokument 8121 vom 20.02.2015), also Grünflächen im Prater reduziert.

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Nähere Informationen zum Flächenwidmungsplan der Stadt Wien finden sich auf folgender Adresse:

https://www.wien.gv.at/flaechenwidmung/public/

Autor: M.W.