Die Wiesensaison ist beendet: Ostbahnkurti Konzert 23.August 2019

Seid Ihr schon bereit für Abschied? Auf der Kaiserwiese werden wir dieses Jahr nicht mehr verweilen. Allerhöchstens zum Enten-fotografieren, aber auch dafür wird es kaum einen Zeitrahmen geben.

Passend zum heutigen Ostbahnkurti-Konzert auf der Kaiserwiese soll der heutige Freitagsbeitrag ein paar Eindrücke der Aufbauarbeiten liefern. Wie Ihr wißt, haben wir – die Kaiserwiese für Alle ! -Initiative, nichts gegen Konzerte – auch nicht auf der Kaiserwiese – und nichts gegen einzelne Veranstaltungen auf dieser wundervollen, urbanen Wiesenlandschaft im Herzen der Stadt!

Es ist nur leider so, dass wir unsere Wiese heuer nicht mehr wiedersehen werden. Und dieser Verlust schmerzt jedes Jahr aufs Neue, jedesmal sehr stark.

Nach dem Ostbahnkurti-Konzert beginnen die Aufbauten für die Wiener Wies´n – jawoll! Es ist schon wieder soweit! und heuer dürften wir eine heftigere Wies´n denn je erwarten, wenn wir uns das Programm so anschauen. Das Wies´nfest dauert rund 3 Wochen (lasst Euch bitte nicht durch die Tageszählung der Wies´nveranstalter verwirren):
„18 Tage lang wird auch in diesem Jahr wieder so richtig abgefeiert, wenn die WIENER WIESN im Herbst auf der Kaiserwiese im Prater ihre Zelte aufschlägt.“

Dieses volkstümliche Fest mit viel „österreichischem Brauchtum“ wird vom 26.9.-13.10.2019 stattfinden und somit während der besten und schönsten Wiesen- (Achtung hier ist unsere Kaiserwiese gemeint!) Zeit jeden Jahres. Wenn die goldenen Blätter auf dunkles Grün fallen … der Wind fährt durch die Äste … Morgentau auf frischen Grashalmen .. Drachensteigen … ein letztes Sommerbier (OUPS DAS IST JA JETZT VERBOTEN! AUSSER BEI DER WIESN) in den letzten warmen Spätsommerstunden .. vorbei vorbei vorbei.

Tschüs Kaiserwiese! Wir werden Dich vermissen. Wir sehen uns im Juni 2020, dann sollten einige Rasensprossen vielleicht teilweise angewachsen sein :((((

20190821_132339.jpg20190821_133931.jpg20190821_134001.jpg20190821_132435.jpg20190821_132415.jpg20190821_132403.jpg

 

20190821_132253.jpg

 

20190821_134110.jpg20190821_134133.jpg20190821_134441.jpg20190821_134632.jpg20190821_134642.jpg

20190821_134806.jpg20190821_134724.jpg20190821_134710.jpg

Autorin: Nicole Raker

Wie die Wurzeln der Stadtbäume leiden

Das Bild zeigt eine zwei Monate alte Kiefer und ihre Wurzeln. Das Bäumchen ist noch winzig klein, aber unter der Erde ist bereits ein riesiges Wurzelsystem ausgebildet: Von den Hauptästen gehen viele feine Wurzelverästelungen ins Erdreich. Diese ganz feinen Wurzeln sind besonders wichtig, denn durch deren dünne Haut werden die Nährstoffe aus dem Boden aufgenommen.

67547011_10213604872989114_6268523498864377856_n

Quelle: facebook

Beim ausgewachsenen Baum ist das Größenverhältnis zwischen Baum und Wurzel etwas anders: Generell sagt man, dass die Ausdehnung der Wurzel der Größe der Baumkrone entspricht.

Herausforderungen für Stadtbäume

Weiß man nun, wie groß die Wurzel eines Baumes ist, dann wird klar, wie schwer es Bäume und ihre Wurzeln in der Stadt haben.

Die Pflanzlöcher für Bäume sind fast immer zu klein. Wächst der Baum und seine Wurzel, ist meist zu wenig Platz für eine ausreichende Wurzelentfaltung und die Nährstoffversorgung leidet. Kein Wunder, dass viele neu gepflanzte Stadtbäume nicht lange überleben.

Die gesamte Wurzel aber besonders die feinen Wurzelenden sind sehr druckempfindlich. Lastet zu viel Gewicht auf der Wurzel, reißen die dünnen Wurzelfäden ab und die Nährstoffaufnahme wird unterbrochen. Aus diesem Grund werden bei Baustellen und bei Großveranstaltungen Schutzzäune um den Stamm eines Baumes errichtet – allerdings meist nur mit ca. 1 m Abstand vom Stamm. Die restliche Wurzel bleibt ungeschützt und Baufahrzeuge, Schwertransporte und Lastwägen fahren ungehindert darüber und zerstören das Wurzelwerk.

Derart beschädigte Bäume sterben nicht sofort, weshalb man oft „Ist eh nix passiert!“ hört. Aber ohne funktionierende Nährstoffzufuhr ist ein Überleben langfristig nicht möglich!

Kaiserwiese

Beim Aufbau von Großveranstaltungen auf der Kaiserwiese haben wir wiederholt beobachtet und dokumentiert, wie Schwertransporte knapp am Stamm über den Wurzelbereich der Bäume fahren und schwere Lasten im Wurzelbereich gelagert werden. Man kann daher davon ausgehen, dass die Wurzeln dieser Bäume bereits stark beschädigt sind. Ob sie noch lange leben werden, ist daher fraglich.

21731553_718727161660782_6648799939451901814_o

Autorin: Eva Müller

KaiserwiesenBaumportraits

Der Sommer 2019 ist da, doch es bleiben nurmehr wenige Tage und dann wird die Kaiserwiese wieder für viele Wochen für Verwertungszwecke gesperrt werden. Die Bäume werden wieder leiden und nicht sichtbar beschädigt werden! Wir nutzen die Zeit und stellen einen weiteren Baum, der nicht direkt auf der Wiese steht, jedoch räumlich dazu gezählt werden kann.

Die Linde mit ihrem wunderschönen Habitus steht direkt vor dem Planetarium am Oswald-Thomas-Platz. Auf den unter ihr befindlichen Bänken kann man sich gut aufhalten und den Blick auf die Kaiserwiese und die vorbeigehenden Mesnschen schweifen lassen. Direkt unter der Linde befindet sich ein Gedenkstein zum 200jährigen Jubiläum des Praters. Vermutlich spielt bei der Positionierung des Steines die symbolische Wirkung der Linde im mitteleuropäischen Raum eine Rolle. Die sogenannte Dorflinde war und ist weit verbreitet.

Baum 1_1

31.07.2019

Baum 1

Linde (Tilia.spec.)
Pflanzjahr unbekannt
Stammumfang 254cm
Kronendurchmesser 13-15m
Baumhöhe 16-20m

Baum 1_2

Baum 1_3

31.07.2019

baumkataster_Baum 1

Baum 1_4

31.07.2019

Baum 1_5

31.07.2019

Baum 1_6

31.07.2019

Weiterführende Informationen zum symbolischen Gehalt, ihrer Geschichte und der Nutzungsvielfalt der Linde sind leicht im Internet und jeder Bibliothek zu finden! Besonderes Augenmerk möchte ich auf die sogenannte Tanzlinde legen. Dieser hat der bayrische Dokumentarfilmer Dieter Wieland einen Teil seiner Dokumentation zur Dorflinde gewidmet.

Autor: Eric Kläring

Sport im Grünen

2017 wurde am WAC-Platz im Grünen Prater (gegenüber der Spenadlwiese) der neue Hockeyplatz des WAC-Hockeyclubs eröffnet. Bereits 2016 begannen die Umbauarbeiten, als Bäume gefällt und die saftig grüne Wiese dem neuen Kunstrasenplatz weichen musste.

Es ist nicht einfach, auch beim Bau von Sportstätten einen kritischen Blick auf die Bautätigkeiten zu werfen. Ist es doch besonders einladend im Grünen zu sporteln. Es soll auch nicht Sport und Umwelt gegeneinander ausgespielt werden. Im Falle dieses Kunstrasenplatzes kommt dazu, dass dieser auf dem Areal des WAC-eigenen und dem Bund gehörenden Grundstücks, welches ohnehin umzäunt und nicht öffentlich betretbar war, errichtet wurde. Die Legitimität des Umbaus ist unbestritten.

Dennoch: Zu schnell werden in Wien Bäume gefällt und muss eine artenreiche Wiese weichen. Das Argument von Ersatzpflanzungen, die ja bei Baumfällungen getätigt werden müssen, ist oft zu schnell bei der Hand. Vielleicht hätte man hier einfach innehalten können. Erst vor kurzem wurde ja das bereits vorhandene Hockeystadion im Grünen Prater erneuert und vergrößert.

Vielleicht hätte man aber auch ganz radikal sein und diesen Grünraum für die Öffentlichkeit zugänglich machen können…

Pläne des Kunstrasenplatzes:

https://www.wac-funders.club/plaene

Foto_1Foto_2Foto_3

 

Autorin: Sabine Edler

Einfach zum Nachdenken – Grundsätzliche Überlegungen zum Grünen Prater

Die zahlreichen Vorzüge des Grünen Prater zu preisen hieße vermutlich Eulen nach Athen tragen. Wer schätzt es nicht, dieses – schon allein ob seiner Größe von etwa 450 Hektar – beeindruckende innerstädtische Grüngebiet im Herzen Wiens. Kilometerlang durch Wälder streifen, dem Treiben der einheimischen Tiere in und um eines der zahlreichen Gewässer lauschen oder zusehen, und (vor allem im Bereich des unteren Praters) mit einigem Glück sogar scheue Rehe beobachten. Mehr an Natur wird man selten in einer Großstadt antreffen. Kurzum, Wien, darf sich durchaus glücklich schätzen, mit einem solchen Naturjuwel gesegnet zu sein.

Doch die besonderen Vorzüge des Grünen Praters tragen leider auch zu dessen Gefährdung bei. Wenig überraschend lieben Immobilieninvestoren, Gewerbetreibende und Veranstalter diese einzigartigen Grünflächen. Mit Slogans wie „mitten im Grünen“ lässt sich trefflich für die eigenen Produkte und Dienstleistungen werben, und mit dem Verkaufsargument der unmittelbar nebenan befindlichen Naturoase lassen sich vorzügliche Gewinne einstreifen. Das Problem dabei ist jedoch, dass jedes Immobilienprojekt und jede Veranstaltung im oder am Rand des Grünen Praters unweigerlich den Grünraum belastet und diesen Schritt für Schritt zurückdrängt, wobei dieser beklagenswerte Verlust wertvoller Grünflächen noch vom dadurch ausgelösten zusätzlichen motorisierten Verkehr im und durch den Prater verschlimmert wird. Schließlich wollen Besucher und Lieferanten von Veranstaltungen sowie Nutzer der im Grünen errichteten Gebäude ganz bequem mit deren Kraftfahrzeugen zufahren.

Manch einer mag vielleicht einwenden, dass die von Veranstaltungen und Immobilienprojekten beanspruchten Flächen doch nur einen verschwindend kleinen Bruchteil des riesigen Grünen Praters ausmachen. Das mag vielleicht bei einer jeden Einzelfall nur isoliert betrachtenden Sichtweise vordergründig einer gewissen Logik folgen, erweist sich jedoch als reines Ablenkungsmanöver. Denn 1. reduziert schon jedes einzelne dieser Projekte im Grünen Prater die Grünflächen. 2. müssen die negativen Auswirkungen dieser Projekte auf den Grünen Prater natürlich in deren Gesamtheit betrachtet werden, denn für den Verlust von Grünflächen ist es völlig unerheblich, ob dies durch eine einzelne umfangreiche Maßnahme erfolgt, oder durch zahlreiche kleinere. Schließlich muss 3. natürlich auch die laufende Entwicklung, mit welcher Grünflächen im Prater verschwinden, berücksichtigt werden. Und diese zeigt leider ein voranschreitendes Schrumpfen der Grünflächen.

In diesem Zusammenhang stellen sich unter anderem folgende Fragen:

  • Müssen unbedingt Bürogebäude und Luxuswohnungen (Kaufpreis jenseits der EUR 10.000 pro Quadratmeter) auf vormals als Erholungsgebiet gewidmeten Flächen am Rande des Grünen Praters gebaut werden? Gibt es denn in ganz Wien keine anderen geeigneten Flächen dafür, ohne dass Grünraum zerstört wird?

  • Müssen unbedingt Massenveranstaltungen (etwa die „Wiener Wiesen“) auf den Grünflächen des Praters stattfinden und dort die Wiesen und Bäume extrem belasten, wenn nicht gar zerstören? Gibt es nicht genug andere, die Umwelt weniger schädigende, Veranstaltungsflächen in Wien?

  • Müssen unbedingt motorisierte Fahrzeuge auf der Hauptallee fahren? Jahrzehntelang konnte beispielsweise der Wurstlprater problemlos über die Ausstellungsstraße beliefert werden. Wäre es nicht besser, die Hauptallee den Fußgängern, Joggern, Radfahrern und sonstigen Erholungssuchenden zur ungefährdeten Nutzung ausschließlich zu überlassen und für jeglichen motorisierten Verkehr zu sperren?

  • Müssen Wirte unbedingt ihre Bänke, Stühle und Tische unmittelbar im Landschaftsschutzgebiet Hauptallee aufstellen?

Hier wäre die Politik gefordert, dafür zu sorgen, dass der Grüne Prater bestmöglich geschützt wird und auch zukünftigen Generationen als Naturjuwel erhalten bleibt. Und was tun die politisch Verantwortlichen um der Zurückdrängung des Grünen Praters beziehungsweise dessen Kommerzialisierung Einhalt zu gebieten? Derzeit anscheinend zu wenig.

Bei allen Überlegungen zum Grünen Prater sollte freilich ein Aspekt niemals vergessen werden:

Ist der Grüne Prater erst einmal verschwunden, kommt er nie wieder zurück!

Hoffen wir, dass es nicht soweit kommt!

Autor: M.W.

Das Heiligengeistfeld in Hamburg

Freitagsbeitrag Nicole 20190711-1.jpg

Hamburger Dom am Heiligengeistfeld, Quelle: Wikipedia

Unser heutiger Freitagsbeitrag ist ein kleiner Exkurs in eine andere Millionen-Metropole und an einen mit der Kaiserwiese vergleichbaren Ort: das Heiligengeistfeld in Hamburg St.Pauli. Seit seiner Vergangenheit als Glacisfläche und Exercierplatz im 17.Jahrhundert wurde das Heiligengeistfeld freigehalten und ab dem 19.Jahrhundert zunehmend als „Amüsierfläche“, also für Ausstellungen, Clubveranstaltungen und Märkte benutzt. Das Heiligengeistfeld dient seit dem 20.Jahrhundert 3x pro Jahr für jeweils 4 Wochen dem „Dom“, Hamburgs größtem Volksfest (Jahrmarkt). Außerhalb der Domzeiten finden dort wiederum Musicals und Clubtreffen statt oder der Ort wird als Parkplatz genutzt.
Freitagsbeitrag Nicole 20190711-2.jpg

Heiligengeistfeld um 1890, Quelle: Wikipedia

Wie die Kaiserwiese liegt das Heiligengeistfeld zentral in der Stadt und grenzt unmittelbar an öffentliche Parks und Freiräume.
Freitagsbeitrag Nicole 20190711-3.jpg
Einen sehr prägnanten Unterschied zur Kaiserwiese gibt es allerdings: Dieses historische Feld wurde seit Jahrhunderten für Großversammlungen freigehalten, es liegt nicht inmitten einer öffentlichen Grünfläche, es ist nicht der Hauptzugang in den größten Park der Stadt, es gab dort niemals Grünraum und es wurden keine Bäume gefällt. Dieser Ort wird seither von der Stadt Hamburg sogar von gewinnbringender Stadtverdichtung, also Bebauung, freigehalten, obwohl dies oft diskutiert wurde.
Freitagsbeitrag Nicole 20190711-4.jpg

Das Heiligengeistfeld 2010 nach dem Sommerdom, Quelle: Wikipedia

Jeder weiß, dass Hamburg über vergleichsweise großzügige öffentliche Grünflächen im Sinne der „Gartenstadt“ verfügt, war sie doch als „Gartenstadt“ angelegt worden. Es gäbe also Möglichkeiten, Grünflächen für die Großveranstaltungen zu opfern und dieses überaus wertvolle zentrale Feld zu bebauen – der Hamburger Senat hat dies bis jetzt immer wieder abgelehnt.
Freitagsbeitrag Nicole 20190711-5 Heiligengeistfeld Hamburg.jpg

Das Heiligengeistfeld aus Richtung Feldstraße, Juli 2019, Quelle: N.Raker

In Wien wird sogar mitten im größten Volkspark gebaut und gerodet, was das Zeug hält. Flächenumwidmungen in Bauland sind keine Seltenheit, obwohl ringsum gänzlich neue Stadtteile entstehen, oftmals mit der Absicht, „mitten im Stadtgrünen“, also nahe am Grünen Prater, zu wohnen.
Autorin: Nicole Raker
Bildquellen: privat & Wikipedia

Neue Hitzeinsel im Wurschtel-Prater

 

Im Wurschtel-Prater wurde der Calafatiplatz vor dem Blumenrad saniert und modernisiert. Leider nicht zeitgemäß: zugepflastert und ohne jegliche Schattenspender (Bild links). Einzig eine Sprühnebeldusche sorgt für kurzfristige Kühlung (nett aber auch nicht gerade Ressourcen-schonend).

Ein paar große Bäume wären als Schattenspender wesentlich sinnvoller gewesen und hätten den Platz auch optisch deutlich aufgewertet. Wie gut das funktioniert sieht man am Platz vor dem Schweizerhaus: Schön grün und schattig, sodass man sich dort auch im Sommer gerne aufhält (Bild rechts).

 

Autorin: Eva Müller

Pratergrenzen – Teil 1

Soll eine weitere Schrumpfung des Grünen Praters verhindert werden, so scheint dies nur mit der Einführung einer deutlichen und geschützten Grenzziehung dieses wichtigen innerstädtischen Grün- und Erholungsraumes durchzusetzen. Oder gibt es andere Werkzeuge, mit denen den Verwertungsmechanismen und dem Druck der Immobilien- und Versiegelungswirtschaft Einhalt geboten werden kann?

Im folgenden eröffnen wir eine neue Kleinserie in unseren wöchentlichen Betrachtungen von Kaiserwiese und Grünem Prater, die sich mit historischen, potentiellen, realen und zukünftigen Grenzen dieses Wiener Park- und Freiraumes beschäftigen wird. Auf der folgenden Karte ist eine fiktive Pratergrenze eingezeichnet, die auch bereits bebaute Gebiete mit einbezieht. Diese Karte ist als Ausgangspunkt unserer Analysen und Betrachtungen zu verstehen und wird im Laufe der nächsten Beiträge dieser Serie weiter bearbeitet und geschärft.

pratergrenzen

Quelle Grundlagenmaterial : http://www.wien.gv.at/stadtplan/

 

Betrachten wir Kartenmaterial von vor, während oder kurz nach der Donauregulierungsphase um 1875, so fällt auf, dass das, was einmal der Prater werden sollte bereits damals einige Grenzen aufweist, die noch heute in Teilen erhalten sind.

Folgende vier Karten sind aus  https://www.boku.ac.at/fileadmin/data/…  entnommen.

 

MUOe_02_Hohensinner_u_Hahmann_Seite_012_Bild_0001

Wasserbaumaßnahmen (in gelb) im Wiener Raum im 15. und 16. Jahrhundert (Hintergrundkarte: MA 41). /MUOe_02_Hohensinner_u_Hahmann.pdf

MUOe_02_Hohensinner_u_Hahmann_Seite_013_Bild_0001

Wasserbaumaßnahmen im Wiener Raum im 17. Jahrhundert (Hintergrundkarte: MA 41).

MUOe_02_Hohensinner_u_Hahmann_Seite_014_Bild_0001

Wasserbaumaßnahmen im Wiener Raum im 18. Jahrhundert (Hintergrundkarte: MA 41).

MUOe_02_Hohensinner_u_Hahmann_Seite_015_Bild_0001

Wasserbaumaßnahmen im Wiener Raum im 19. Jahrhundert (Hintergrundkarte: MA 41)

Der Donaukanal (1), der bereits ab 1598 als ein regulierter Arm der Donau bezeichnet werden kann, begrenzt die süd-westliche Seite des Praters bis in das Jahr 1978. In diesem Jahr wurde die Ostautobahn vom Knoten Prater bis zur Simmeringer Haide an das praterseitige Donaukanalufer gebaut. (2) Der restliche Uferbereich vom Knoten Prater bis zur Franzensbrücke, die heutige Schüttelstrasse (3) wurde auch bereits 1876 in Betrieb genommen.

Die Donau begrenzt die nord-östliche Seite des Praters, wobei jedoch bereits bei der großen Donauregulierung (4)1875 weitere Bautätigkeiten dazukamen. Der Handelskai (5) und der Hafen Freudenau (6) wurden ausgebaut. Auch hier wurde also eine starre und den Prater vom Donau-Wasser trennende Grenze geschaffen.

Die dritte Grenzlinie auf unserem Ausgangsplan ist die heutige Lassallestrasse. Wir haben das heutige Stuwerviertel mit eingeschlossen, da sich vor seiner Errichtung um 1900, also in klarer Abfolge zu Donauregulierung, hier noch der Bereich des Oberen Praters befand. Dort konnten Feuerwerksdarbietungen der Familie Stuwer besucht werden, die namensgebend für das Viertel waren.

Der Prater stand also immer in starkem Bezug zum Wasser der Donau, bzw des Donaukanales. Diese Beziehung ist heute nicht mehr sehr ausgeprägt. Die heute nurmehr stehenden Gewässer, aus Altarmen der Donau hervorgegangen, sind nur mit technischem und landschaftspflegerischem Aufwand zu erhalten, da auch der Grundwasserhaushalt durch Donauregulierungen verändert wurde. Folgende aus Altarmen der Donau hervorgegangene Gewässer finden wir im Prater: Oberes und Unteres Heustadelwasser, Rosenlacke, Krebsenwasser, Lusthauswasser, Mathnerwasser. Weiters gibt es noch den künstlich geschaffenen Konstantinteich am Fuße des Konstantinhügels.

(1) http://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Donaukanal

(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Ost_Autobahn

(3) https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Sch%C3%BCttelstra%C3%9Fe

(4) https://www.stadt-wien.at/gesundheit/umwelt/die-grosse-donauregulierung.html

(5) https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Handelskai

(6) https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Wiener_Hafen

Groß, größer, am größten!

Im Mai 2017 eröffnete das BBQ-Restaurant „Die Allee“ auf der Prater Hauptallee. Dort, wo jahrelang das Brunswick- Bowling- und Freizeitcenter oder zuletzt Phoenix Bowling ein nach außen hin unaufgeregtes Dasein führte, änderte sich mit der Übernahme durch den jetzigen Besitzer auch die Unaufgeregtheit. Der neue Besitzer denkt groß. Was kümmert ihn die Tatsache, dass das Lokal in einem Naherholungsgebiet liegt. Der Name „Die Allee“ muss reichen. Der beschauliche Grünstreifen vor dem Gebäude auf Seite der Hauptallee musste gleich mal weichen. Man denkt ja groß und was nützt einem der sehr große Smoker in Form einer Lokomotive, wenn nicht die dazugehörigen Plätze für potentielle Gäste geschaffen werden. So verschwand also der Grünstreifen und ein in die Hauptallee reichender Gastgarten entstand. Der Baum, der da noch auf diesem ehemaligen Grünstreifen stand, wurde zwar nicht gefällt, aber recht eingepflastert. Dass die Bäume eher Staffage sind, zeigt ja auch die Rückseite des Lokals. Drei eingezäunte Bäume.Der Gastgarten ist echt groß, aber noch immer nicht groß genug – so finden sich immer wieder Sessel und Tische auf dem Weg vor dem Gastgarten. Man denkt einfach größer.Der Besitzer durfte ja auch schon am Donaukanal das gar so romantisch anmutende Lokal „Blumenwiese“ hinstellen. Ein sehr großer Holzbau – selbstverständlich ohne Blumenwiese. Aber wer hält sich schon mit solch Lappalien auf. Vielleicht sind ja geschäftstüchtig schon Duftsprays à la Baumallee oder Blumenwiese in Vorbereitung, damit man sich zumindest so noch ein bisserl an deren Duft erinnern kann.

1

2

3

 

Autorin: Sabine Edler

Schifliegen im Prater?

Nachdem wir in den vergangenen Wochen unser Augenmerk öfters auch über den unmittelbaren Bereich der Kaiserwiese gerichtet haben, wollen wir heute auf eine beachtenswerte Diskussion zur Zukunft des mitten im grünen Prater liegenden Happel-Stadions (ehemals „Praterstadion“) hinweisen.

Es hat bisweilen den Anschein, als wüssten die politisch verantwortlichen Entscheidungsträger nicht so recht, was in Zukunft mit dem Praterstadion geschehen soll. Da hört man einmal, das Stadion sei zu klein und zu veraltet um geeignete Großveranstaltungen darin abhalten zu können. Dann wird der seit 2001 bestehende Denkmalschutz beklagt, der eine Modernisierung des Stadions verhindere. Mit gewisser Regelmäßigkeit tauchen auch immer wieder Um- respektive Neubaupläne auf, denen zumeist der Wunsch nach einem intensiver verwertbaren Veranstaltungsort innewohnt. Zuletzt war sogar – man mag es kaum glauben – die Rede von der Errichtung einer Skisprungschanze im Rahmen einer ganzjährig nutzbaren Multifunktionsarena. Und genau solche gigantomanisch anmutenden Pläne lassen für die Zukunft des grünen Praters nichts Gutes erahnen. In den vergangenen Jahren haben wir bereits im – verglichen mit dem Praterstadion relativ kleinen – Bereich der Kaiserwiese vor Augen geführt bekommen, welch nachteilige Auswirkungen Großveranstaltungen im grünen Prater nach sich ziehen. Die nachhaltige Zerstörung der Grünflächen, die Beschädigung von Bäumen, der gewaltigen Anstieg des motorisierten Verkehrs im Grünen Prater, sowie die Lärmbelästigung der Wohnbevölkerung sind nur einige der unerwünschten Folgeerscheinungen, welche der Missbrauch des grünen Praters zu Veranstaltungszwecken mit sich bringt. Und nun soll derartiges – wohlgemerkt um mehrere Dimensionen größer – auch beim Praterstadion geschehen? Als wenn der grüne Prater nicht ohnehin jetzt schon mehr als genügend Großveranstaltungen über sich ergehen lassen muss. Alleine die durch so ein „Megastadion“ (siehe den entsprechenden Artikel im Standard vom 4.11.2018) zu befürchtende Verkehrsexplosion im größten innerstädtischen Grüngebiet Wiens lässt einen erschaudern. Bleibt zu hoffen, dass die angespannte Finanzlage der öffentlichen Kassen der Umsetzung derartiger Pläne entgegensteht. Verlassen sollte man sich darauf aber keinesfalls.

Links zu ausgewählten Artikeln zum Thema:

Der Standard, 4. November 2018

https://derstandard.at/2000090628177/Skispringen-im-Prater-Plaene-fuer-Mega-Stadion-in-Wien

Der Standard, 8. November 2018

https://derstandard.at/2000090908234/Stadionplaene-Im-Prater-bluehen-wieder-die-Traeume?ref=rec

Österreich, 5. Februar 2019

https://www.österreich.at/politik/Strache-will-den-Stadion-Neubau-jetzt-erzwingen/366748739

Kurier, 10. Juni 2019

https://kurier.at/sport/fussball/wien-ist-anders-vor-allem-beim-nationalstadion/400518916

Kleine Zeitung, 12. Oktober 2018

https://www.kleinezeitung.at/sport/fussball/5511886/HappelStadion-mit-Fragezeichen_Bekommt-Oesterreich-ein-neues

Autor: M.W.