Groß, größer, am größten!

Im Mai 2017 eröffnete das BBQ-Restaurant „Die Allee“ auf der Prater Hauptallee. Dort, wo jahrelang das Brunswick- Bowling- und Freizeitcenter oder zuletzt Phoenix Bowling ein nach außen hin unaufgeregtes Dasein führte, änderte sich mit der Übernahme durch den jetzigen Besitzer auch die Unaufgeregtheit. Der neue Besitzer denkt groß. Was kümmert ihn die Tatsache, dass das Lokal in einem Naherholungsgebiet liegt. Der Name „Die Allee“ muss reichen. Der beschauliche Grünstreifen vor dem Gebäude auf Seite der Hauptallee musste gleich mal weichen. Man denkt ja groß und was nützt einem der sehr große Smoker in Form einer Lokomotive, wenn nicht die dazugehörigen Plätze für potentielle Gäste geschaffen werden. So verschwand also der Grünstreifen und ein in die Hauptallee reichender Gastgarten entstand. Der Baum, der da noch auf diesem ehemaligen Grünstreifen stand, wurde zwar nicht gefällt, aber recht eingepflastert. Dass die Bäume eher Staffage sind, zeigt ja auch die Rückseite des Lokals. Drei eingezäunte Bäume.Der Gastgarten ist echt groß, aber noch immer nicht groß genug – so finden sich immer wieder Sessel und Tische auf dem Weg vor dem Gastgarten. Man denkt einfach größer.Der Besitzer durfte ja auch schon am Donaukanal das gar so romantisch anmutende Lokal „Blumenwiese“ hinstellen. Ein sehr großer Holzbau – selbstverständlich ohne Blumenwiese. Aber wer hält sich schon mit solch Lappalien auf. Vielleicht sind ja geschäftstüchtig schon Duftsprays à la Baumallee oder Blumenwiese in Vorbereitung, damit man sich zumindest so noch ein bisserl an deren Duft erinnern kann.

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Autorin: Sabine Edler

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Schifliegen im Prater?

Nachdem wir in den vergangenen Wochen unser Augenmerk öfters auch über den unmittelbaren Bereich der Kaiserwiese gerichtet haben, wollen wir heute auf eine beachtenswerte Diskussion zur Zukunft des mitten im grünen Prater liegenden Happel-Stadions (ehemals „Praterstadion“) hinweisen.

Es hat bisweilen den Anschein, als wüssten die politisch verantwortlichen Entscheidungsträger nicht so recht, was in Zukunft mit dem Praterstadion geschehen soll. Da hört man einmal, das Stadion sei zu klein und zu veraltet um geeignete Großveranstaltungen darin abhalten zu können. Dann wird der seit 2001 bestehende Denkmalschutz beklagt, der eine Modernisierung des Stadions verhindere. Mit gewisser Regelmäßigkeit tauchen auch immer wieder Um- respektive Neubaupläne auf, denen zumeist der Wunsch nach einem intensiver verwertbaren Veranstaltungsort innewohnt. Zuletzt war sogar – man mag es kaum glauben – die Rede von der Errichtung einer Skisprungschanze im Rahmen einer ganzjährig nutzbaren Multifunktionsarena. Und genau solche gigantomanisch anmutenden Pläne lassen für die Zukunft des grünen Praters nichts Gutes erahnen. In den vergangenen Jahren haben wir bereits im – verglichen mit dem Praterstadion relativ kleinen – Bereich der Kaiserwiese vor Augen geführt bekommen, welch nachteilige Auswirkungen Großveranstaltungen im grünen Prater nach sich ziehen. Die nachhaltige Zerstörung der Grünflächen, die Beschädigung von Bäumen, der gewaltigen Anstieg des motorisierten Verkehrs im Grünen Prater, sowie die Lärmbelästigung der Wohnbevölkerung sind nur einige der unerwünschten Folgeerscheinungen, welche der Missbrauch des grünen Praters zu Veranstaltungszwecken mit sich bringt. Und nun soll derartiges – wohlgemerkt um mehrere Dimensionen größer – auch beim Praterstadion geschehen? Als wenn der grüne Prater nicht ohnehin jetzt schon mehr als genügend Großveranstaltungen über sich ergehen lassen muss. Alleine die durch so ein „Megastadion“ (siehe den entsprechenden Artikel im Standard vom 4.11.2018) zu befürchtende Verkehrsexplosion im größten innerstädtischen Grüngebiet Wiens lässt einen erschaudern. Bleibt zu hoffen, dass die angespannte Finanzlage der öffentlichen Kassen der Umsetzung derartiger Pläne entgegensteht. Verlassen sollte man sich darauf aber keinesfalls.

Links zu ausgewählten Artikeln zum Thema:

Der Standard, 4. November 2018

https://derstandard.at/2000090628177/Skispringen-im-Prater-Plaene-fuer-Mega-Stadion-in-Wien

Der Standard, 8. November 2018

https://derstandard.at/2000090908234/Stadionplaene-Im-Prater-bluehen-wieder-die-Traeume?ref=rec

Österreich, 5. Februar 2019

https://www.österreich.at/politik/Strache-will-den-Stadion-Neubau-jetzt-erzwingen/366748739

Kurier, 10. Juni 2019

https://kurier.at/sport/fussball/wien-ist-anders-vor-allem-beim-nationalstadion/400518916

Kleine Zeitung, 12. Oktober 2018

https://www.kleinezeitung.at/sport/fussball/5511886/HappelStadion-mit-Fragezeichen_Bekommt-Oesterreich-ein-neues

Autor: M.W.

Wiesenportraits: die Golfwiesen

Heute wieder ein Kurzportrait einer öffentlichen Wiese im Grünen Prater:
die „Golfwiesen“ (no.5 am Schwarzplan).

nicole schwarzplan prater.jpg

Die Golfwiesen bestehen aus mehreren Teilen und sind von dichtem Gehölz separiert.
Im Gehölz gibt es viele Rehe 🙂 Es sind freie, mehr oder weniger wilde Felder, die ein paarmal im Jahr gemäht werden, ansonsten einen extensiven Charakter haben.
So wie wir es mögen!

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Es gibt mehrere wunderschöne Solitär-Baumgruppen sowie kleine Wäldchen, die von der Wiese umspielt werden.

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Da die Golfwiesen ungefähr in der Mitte des Grünen Praters sind und rundherum keine direkte öffentlicheAnbindung besteht, sind sie wenig genutzt – und wenn, dann von sportlichen Menschen, die ganz gezielt mit ihrem Frisbee – Gepäck kommen, um die von der Stadt Wien platzierten Long-Distance-Frisbee-Fangkörbe zu bespielen. Dafür gibt es jeweils „Abschlagplätze, einzig durch eine Holzplanke am Boden markiert.

Wir lieben diesen Ort!

Durchschreitet man aus Richtung Stadt alle Wiesenstücke, gelangt man an das untere Heustadtwasser.

Autorin: Nicole Raker

Neuer Busbahnhof: Blechlawine durch den Grünen Prater zu erwarten!!!

Der neue Standort des zentralen Wiener Fernbusbahnhofs wird beim Stadion im 2. Bezirk sein. Dort soll dann der gesamte internationale Busverkehr von und nach Wien abwickeln (derzeit noch auf drei Standorte verteilt: Hauptbahnhof, Erdberg, Stadioncenter). Die Rede ist von bis zu 300 Bussen, die diese Station dann täglich ansteuern würden.

Für Fahrgäste, Zubringer und Abholer wird die Anfahrt mit den Öffis empfohlen oder mit dem Auto über den Handelskai. Aber diesen Weg werden AutofahrerInnen aus dem 3. Bezirk und angrenzenden Bezirken sicher nicht wählen, sondern vielmehr die direkte Strecke durch den Grünen Prater. Welches Verkehrsaufkommen da zu erwarten ist, möchte man sich garnicht erst ausmalen!!!

Diese Blechlawine mitten durch den Grünen Prater muss unbedingt verhindert werden!!!

Baldmögliche Sperrung der Durchfahrt Meiereistraße / Stadionallee!!

Meiereistrasse Autos

Autorin: Eva Müller

KaiserwiesenBaumportraists

Heute stellen wir die beiden Birken, die kleinsten Bäume der Kaiserwiese, vor. Sie stehen in direktem räumlichen Zusammenhang mit der Kunststeinplastik der „Sterguckerinnen“ und der großen Silberpappel mit der Nummer 42 ( https://kaiserwiese.wordpress.com/2019/03/15/kaiserwiesenbaumportraits-2/ ). Es ist zu befürchten, dass diese beiden nicht allzu lange auf der Kaiserwiese stehen werden. Sie wurzeln relativ flach und werden mit der zunehmenden Bodenverdichtung stark zu kämpfen haben. Ich weiss zwar nicht woran es liegt, aber die Birke im Wiener Stadtraum scheint immer mehr abzunehmen, ja abzusterben. Birkennachpflanzungen gibt es kaum noch, hier wird mit Allergien argumentiert.

Folgende Zitate finden sich auf wikipedia:

Die Hänge-Birke (Betula pendula) (Syn.: Betula alba, Betula verrucosa), auch Sandbirke, Weißbirke oder Warzenbirke genannt, ist eine sommergrüne Laubbaumart aus der Gattung der Birken (Betula). Ihr schlanker, eleganter Wuchs, ihre weiße Borke und ihr zartes Frühjahrsgrün machen sie zum Frühjahrssymbol.

Die Hänge-Birke bildet ein nicht sehr tiefgehendes, aber dichtes Herzwurzel­system.

Verbreitung und Ökologie
Die Hänge-Birke ist eine Lichtbaumart. In Mitteleuropa ist sie die wichtigste Pionierbaumart, die als erste Brach-, Trümmer- und Kahlflächen besiedelt. Sie ist gegenüber dem Boden anspruchslos, wächst aber wegen der Konkurrenz anderer Baumarten überwiegend auf sauren Böden; sie meidet dabei reine Kalkböden, kommt aber auf Gips vor. Sie wächst überwiegend auf trockenen Standorten, hat aber einen hohen Wasserverbrauch. Während Jungbirken immer viel Wasser benötigen, können alte Bäume an sehr trockene Standorte adaptieren. Wird allerdings ein bisher feucht stehender Baum plötzlich ausgetrocknet, stirbt er ab. Die Hängebirke ist wegen ihrer Anspruchslosigkeit auch auf Moorböden und auf anderen Extremstandorten zu finden, auf die sie wegen ihrer Konkurrenzschwäche verdrängt wird. Sie meidet Hitze und ist mäßig frosthart, ihr Photosyntheseoptimum liegt unter 20 °C und sie ist mit ihrem frühen Laubaustrieb an kurze Vegetationsperioden angepasst. Auf stark vernässten Böden wird sie durch die Moorbirke ersetzt, mit der sie auch Bastarde bildet (Betula × aurata Borkh.), diese sind allerdings steril.

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06.04.2019

Baum 36

Weißbirke (Betula pendula)
Pflanzjahr 2000
Stammumfang 64cm
Kronendurchmesser 4-6m
Baumhöhe 6-10m

Baum 38

Weißbirke (Betula pendula)
Pflanzjahr 2002
Stammumfang 59cm
Kronendurchmesser 0-3m
Baumhöhe 6-10m

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06.04.2019

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06.04.2019

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Autor: Eric Kläring

OFFENER BRIEF Alkoholverbot Praterstern & Hausordnung Kaiserwiese

Sehr geehrte Frau Mag.a Sima,
Sehr geehrte Frau Hebein,
Sehr geehrter Herr Hacker,

wir möchten mit diesem Schreiben einen dringenden Appell an Sie richten, das Alkoholverbot am Praterstern, dessen Evaluierung ja nach einem Jahr versprochen wurde, zu überdenken. Weiters ersuchen wir um eine sofortige Aussetzung der Hausordnung auf der Kaiserwiese durch die Prater Wien GmbH.

Seit Herbst 2014 setzen wir uns als BürgerInneninitiative „Kaiserwiese für Alle“ für eine konsumfreie und für alle Menschen frei zugängliche Kaiserwiese ein. Dabei geht es uns nicht um die kleineren Veranstaltungen, als vielmehr um die zunehmende Vereinnahmung der Kaiserwiese als Veranstaltungsort für mehrwöchige bzw. mehrmonatige Veranstaltungen. Dass dabei die mehrwöchige Großveranstaltung „Wiener Wiesn“ besonders unangenehm heraussticht, muss an dieser Stelle vermutlich nicht extra betont werden.

Im April 2018 wurde am Praterstern und in der Venediger Au ein Alkoholverbot verhängt. Die Kaiserwiese ist davon ausgenommen. Argumentiert wurde das Verbot mit der Zunahme der Beschwerden von AnrainerInnen. Schon Monate davor wurde durch die Boulevardmedien begonnen, den Praterstern zum Kriminalitäts-Hot-Spot hochzuschreiben. War der Praterstern doch Treffpunkt von MigrantInnen, Suchtkranken oder Obdachlosen. Ja, zugegeben, der Anblick war manchmal nicht einfach zu ertragen. Doch das ist Armut nie.

Durch das Alkoholverbot wurden diese Menschen vom öffentlichen Platz vertrieben, was offenbar genau dessen Zweck war. Quasi nach dem Motto, wenn man Armut nicht sieht, dann existiert sie auch nicht. Ganz so einfach ist die Welt aber nicht. So sind viele dieser Menschen einfach auf andere Plätze ausgewichen und manche von ihnen halt auch auf die Kaiserwiese.

Im Mai 2018 wurde plötzlich von der Prater Wien GmbH eine Hausordnung für den Wurstelprater und der Kaiserwiese erlassen. Diese Hausordnung untersagt u.a. auch das „Herumlungern“ auf der Kaiserwiese. Private Securitys wurden ermächtigt, unerwünschte Personen, die vielleicht nach deren Ansicht „herumlungern“, wegzuweisen. Doch zu durchschaubar ist diese Hausordnung. Man hat ganz einfach die zuvor auf dem Praterstern unerwünschten Personen nun auch auf der Kaiserwiese zu unerwünschten Personen erklärt. Abgesehen davon, ist uns nicht klar auf welch rechtliche Grundlagen sich dieser private Securitydienst eigentlich beruft?

Am 20. April 2019 wurden zwei Mitglieder unserer BürgerInneninitiative ZeugInnen solch einer Wegweisung und wir müssen Ihnen sagen – es ist rassistisch, diskriminierend und zutiefst beschämend für ein sich selbst als weltoffene Stadt sehendes Wien. Es geht schlicht um die Vertreibung nicht erwünschter ersonen aus öffentlichen Plätzen. Wäre das Alkoholverbot auch nur annähernd ernst gemeint, so hätte dieses stringenter Weise von vornherein auch für die Kaiserwiese ausgesprochen werden müssen. Das ist aber nicht möglich, sonst würde man sich selbst die kommerzielle Verwertung der Kaiserwiese verunmöglichen. Zieht man die „Wiener Wiesn“ als Beispiel heran, so heißt es wohl „wenn du zahlen kannst, dann darfst du dort saufen bis zum Umfallen“.

Wir würden uns wünschen, dass zumindest unter einer rot/grünen Stadtregierung nicht die Armen, sondern die Armut bekämpft wird und eine soziale Lösung für den Praterstern und eine gerechte Lösung für die Kaiserwiese gefunden wird.

Wie hat Andre Holm im Vorwort zur von der AK herausgegebenen Publikation „Wien wächst – Öffentlicher Raum“ geschrieben? „Doch ohne öffentlichen Räume wird es keine soziale Stadt geben.“

Mit der Bitte um Ihre Rückmeldung verbleiben wir

mit freundlichen Grüßen

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Kaiserwiese Für Alle!

Autorin: Sabine Edler

 

Genießen wir die Kaiserwiese, solange sie noch Wiese ist!

Im heutigen Beitrag wollen wir – man mag es kaum glauben – der Prater Wien GmbH gegenüber unsere Bewunderung bekunden. Zugegeben, wir haben etwas länger dafür gebraucht, um die Originalität und Genialität deren Plans für die Kaiserwiese zu erkennen, aber jetzt kommen wir nicht mehr aus dem Staunen. Und das kam so …

Bekanntlich verwaltet die Prater Wien GmbH (registriert im Firmenbuch unter der Nummer FN 287898f) unter anderem auch die Kaiserwiese (wir haben im Jänner 2019 näher darüber berichtet). Im vergangenen Jahr (angeblich am 29.05.2018) hat nun die Prater Wien GmbH eine vor ihr so genannte „Benützungsregelung für den Wiener Volksprater“ (nachfolgend kurz als die „Hausordnung“ bezeichnet) veröffentlicht, welche sich laut deren Punkt 1. eben auch auf die Kaiserwiese erstrecken soll. Betrachtet man diese Hausordnung im Detail, erkennt man recht schnell, dass die Nutzung der Kaiserwiese durch Privatpersonen zu Erholungszwecken von der Prater Wien GmbH nicht erwünscht sein dürfte. So ist beispielsweise das „Herumlungern“ (was auch immer konkret darunter verstanden werden soll) gemäß Punkt 5 a. untersagt, und wird mit einem Platzverbot geahndet. Außerdem sind nach Punkt 5 c. jegliche Arten von Ballspielen und sportlichen Aktivitäten verboten. Hier stellt sich dem einfachen Bürger vermutlich sofort die spannende Frage, wie sich denn diese von der Prater Wien GmbH ausgesprochenen strikten Verbote mit der Widmung der Kaiserwiese als öffentliches Erholungsgebiet Parkanlage (Epk) vertragen sollen. Ist es denn nicht geradezu Zweck eines öffentlichen Erholungsgebietes darin je nach persönlicher Vorliebe ohne jegliche Aktivität auszuspannen (in der Diktion der Prater Wien GmbH wohl „herumzulungern“) oder eben einer sportlichen Aktivität nachzugehen? Allem Anschein nach soll also – zumindest nach den der Hausordnung zu entnehmenden Vorstellungen der Prater Wien GmbH – dem einfachen Bürger die Nutzung der Kaiserwiese praktisch verwehrt bleiben. Er darf dort ja weder nichtstuend herumliegen noch Sport betreiben. Allerdings gibt es (wenig verwunderlich) eine große Ausnahme: Für von der Prater Wien GmbH genehmigte Veranstaltungen gelten diese Verbote (natürlich) nicht! Zugespitzt formuliert: Solange dafür Geld in die Kassen der Prater Wien GmbH fließt, darf man auf der Kaiserwiese machen was man will. Wer hingegen nichts zahlt, soll die Kaiserwiese besser erst gar nicht betreten. So zumindest wenn man die Bestimmungen in der Hausordnung näher analysiert. Und dass es der Prater Wien GmbH damit recht ernst sein dürfte, zeigen auch im April 2019 beobachtete Vertreibungen von sich auf der Kaiserwiese niedergelassener Personen durch Mitarbeiter der Prater Wien GmbH. Ohne diese Vorfälle hier näher zu thematisieren, gehen wir allerdings davon aus, dass diese merkwürdige Vorgangsweise ein zumindest politisches „Nachspiel“ nach sich ziehen wird. Aber, und hier kommt jetzt der Clou, in naher Zukunft werden Vertreibungen und Platzverbote faktisch gar nicht mehr nötig sein, um die Kaiserwiese „frei“ zu halten. Das wird sich nämlich durch die äußeren Umstände vermutlich fast von selbst ergeben.

Dem aufmerksamen Beobachter werden die in letzter Zeit (wie auch am 3. Mai 2019) immer häufiger auf der Kaiserwiese anzutreffenden „Wasserlacken“ kaum entgangen sein. Manche davon erreichen gut und gerne eine flächenmäßige Ausdehnung von 15 bis 20 Quadratmetern, und halten sich teilweise über mehrere Wochen. Der Grund für deren Auftreten ist wahrlich kein besonderes Geheimnis. Seit einigen Jahren lässt die Prater Wien GmbH nahezu keine Gelegenheit aus, um die Bodenschichten auf der Kaiserwiese nachhaltig zu verdichten. Vor allem beim Auf- und Abbau von Einrichtungen für diverse Veranstaltungen fahren (manchmal monatelang) tonnenschwere LKW und Baumaschinen kreuz und quer auf der Kaiserwiese herum. Und während der Veranstaltungen selbst pressen dann die noch schwereren Aufbauten die Bodenschichten darunter restlos zusammen. So ist es kaum verwunderlich, wenn der Boden unterhalb der obersten Grasschicht mit der Zeit nahezu undurchdringlich geworden ist. Die desaströsen Auswirkungen der Veranstaltungen auf die (sichtbare) Grasschicht springen jedermann sofort ins Auge. So gibt es beispielsweise jeden Oktober nach der „Wiener Wiesn“ auf der Kaiserwiese – salopp gesagt – kaum noch einen lebenden Grashalm. Weil diese Zerstörung zu offensichtlich ist, wird deshalb – vermutlich zur Besänftigung der Bevölkerung – auch jährlich ein neuer Rollrasen verlegt. Das kann aber gelinde gesagt bestenfalls als „oberflächliches Ablenkungsmanöver“ bezeichnet werden. Die eigentliche Zerstörung liegt nämlich tiefer im Boden. Und weil eben die Schichten unterhalb des darüber ausgerollten „Grasteppichs“ mittlerweile so verdichtet sind, kann Wasser dort nicht versickern und verbleibt stattdessen an der Oberfläche, wo es die beobachteten Lacken und Tümpeln bildet. Was für gelegentlich die Kaiserwiese besuchende Wasservögel womöglich angenehm sein mag, bedeutet für die erholungssuchende Bevölkerung den faktischen Ausschluss von jeglicher Benutzung der Kaiserwiese, legt sich doch fast niemand freiwillig in eine Pfütze. (Die fatalen Auswirkungen der Bodenverdichtung auf die auf der Kaiserwiese wachsenden Bäume und deren Wurzeln seien hier lediglich am Rande erwähnt, und sollen in einem eigenen Beitrag dazu näher erörtert werden.)

Und hier zeigt sich jetzt die beeindruckende Meisterhaftigkeit des Plans der Prater Wien GmbH. Man organisiere möglichst viele Veranstaltungen auf der Kaiserwiese, vorzugsweise solche, in deren Zuge die Wiese mit schwerem Gerät „zugepflastert“ wird. Das steigert einerseits die Gewinne, und andrerseits wird der Boden mit jeder Veranstaltung stärker verdichtet. Den kritischen Beobachtern streut man Sand (hier eher „Rasen“) in die Augen, indem man nach jeder Veranstaltung einen neuen grünen Teppich über die Kaiserwiese rollt – was vielleicht schön aussehen mag, der Wiese in Wahrheit aber überhaupt nichts bringt – während die tieferen Bodenschichten nach und nach absterben. Sobald sich dann zwangsläufig infolge der Bodenverdichtung immer häufiger „oberflächliche Großstadtsümpfe“ bilden, braucht man auch gar nicht mehr mit fragwürdigen Maßnahmen gegen auf der Kaiserwiese verweilende ungebetene Erholungssuchende vorgehen, weil deren keine mehr auf der (triefend nassen) Wiese anzutreffen sind. Auf Veranstaltungen hat das auf der Wiese stehende, nicht versickernde, Wasser ohnehin keine negativen Auswirkungen, finden diese doch, wie prototypisch die „Wiener Wiesen“, auf eigens dafür verlegten Plattformen statt, damit nur ja nicht die Schuhe der zahlenden Besucher nass werden.

Und, kommen Sie, geschätzter Leser, jetzt ob dieser atemberaubenden Genialität nicht mehr aus dem Staunen heraus? Nun, diese ließe sich sogar noch eine Stufe steigern:

Nach Jahren des institutionalisierten Austausches mittlerweile permanent durchnässter Rasenteppiche, taucht plötzlich der Vorschlag auf, man möge doch in Erwägung ziehen, die Kaiserwiese komplett zu versiegeln (sprich: „betonieren“), um den ökologischen Problemen Herr zu werden, und die permanenten „Überflutungen“ zu unterbinden. Wenn sich daraufhin auch noch ein Politiker zur Wort meldet und zur Beschwichtigung der verunsicherten Bevölkerung verkündet. „Niemand hat die Absicht die Kaiserwiese zu betonieren!“, (copyright Walter Ulbricht, SED) dann können Sie mit Sicherheit davon ausgehen, dass der Wiese letzte Stunde geschlagen hat, und demnächst eine allenfalls zur Tarnung grün bemalte, sowie mit mobilen Baumattrappen ausgestattete Betonfläche das Vorfeld des Riesenrads schmückt. Die nachfolgende Umbenennung von „Kaiserwiese“ in „Kaiserplatz“ sollte dann keine unüberwindbaren Probleme mehr aufwerfen.

In diesem Sinne: Genießen Sie die Kaiserwiese, solange sie noch eine Wiese ist, und hoffen wir, dass aus Ironie kein Ernst wird.

Foto vom Freitag, 3. Mai 2019

Autor: M. W.