Der rechtliche Status des Grünen Praters

Im heutigen Beitrag richten wir unsere Aufmerksamkeit über die Kaiserwiese hinaus, und betrachten die Eigentumsverhältnisse und Flächenwidmungen im gesamten Grünen Prater (damit sind die bebauungsfreien Flächen beidseits der Hauptallee gemeint).

1. Eigentumsverhältnisse

Vereinfacht gesagt, sind die Flächen des Grünen Praters auf 3 Einlagezahlen („EZ“) im Grundbuch verteilt.

A.) Die Flächen nordöstlich der Hauptallee (das ist die Seite, auf welcher sich das Stadionbad befindet) sind im Grundbuch unter den Einlagezahlen (EZ) 5723 und (EZ) 5900 in der Katastralgemeinde (KG) 01657 Leopoldstadt registriert. In diesen beiden Einlagezahlen werden an die hundert einzelne Grundstücke zusammengefasst. Insgesamt beträgt das Ausmaß dieser beiden EZ laut Grundbuch etwa 2,1 km².

Als Eigentümer der EZ 5723 und 5900 ist im Grundbuch die Stadt Wien eingetragen.

Die Flächen des sogenannten „Wurstlpraters“ sind übrigens als Grundstück mit der Nummer 4015 (mit einem Flächenausmaß von etwa 239.000 m²) ebenfalls Bestandteil der EZ 5723 und stehen somit im Alleineigentum der Stadt Wien.

B.) Die Flächen südwestlich der Hauptallee (das ist die Seite, auf welcher sich der Konstantinhügel befindet) sind im Grundbuch unter der Einlagezahl (EZ) 1418 in der Katastralgemeinde (KG) 01657 Leopoldstadt registriert. In dieser Einlagezahl werden hunderte einzelne Grundstücke zusammengefasst, wobei viele davon Kleingärten sind. Insgesamt beträgt das Ausmaß dieser EZ laut Grundbuch etwa 2,25 km². Durch Abschreibungen von Grundstücken, beispielsweise infolge von Privatisierungen, verändert sich jedoch das Ausmaß der EZ 1418 laufend. Im Juli 2010 waren es noch rund 2,62 km², also um etwa 370.000 m² mehr als derzeit.

Als Eigentümer der EZ 1418 ist im Grundbuch die Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H. eingetragen. Diese ist unter der Nummer FN 34897w im Firmenbuch registriert. Die Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H. ihrerseits steht – über eine Zwischenbeteiligung (die „Österreichische Beteiligungs AG“, FN 80286v) – zu 100% im Eigentum der Republik Österreich.

2. Widmung und zulässige Nutzungen

Die für die Flächen des grünen Praters geltenden Widmungen finden sich in den Plandokumenten mit den Nummern 7021, 7022, 7112, 7625, 7774, 7776, und 8121. Das Plandokument 7021 (dieses betrifft ein Gebiet im Unteren Prater zwischen Südosttangente und Bahnstrecke) ist derzeit allerdings Gegenstand eines Umwidmungsverfahrens.

Auf beiden Seiten der Hauptallee befinden sich zum größten Teil als Parkschutzgebiete („Spk“) gewidmete Flächen. Zwischen den einzelnen Parkschutzgebieten existieren auch mehrere Widmungen als Erholungsgebiete, und zwar solche für Parkanlagen („Epk“), Sport- und Spielplätze („Esp“), und Freibäder („Ebd“). Die an die Hauptallee grenzenden Flächen des „Wurstlpraters“ sind als Sondergebiet Vergnügungsstätte („SO“) gewidmet.

Gemäß § 6 Absatz 4 der Bauordnung für Wien sind Parkschutzgebiete „für das Anlegen von Gartenanlagen“ bestimmt. „In Parkschutzgebieten dürfen nur die nach den Bestimmungen des Bebauungsplanes (§ 5 Abs. 4 lit. e) zulässigen Bauwerke errichtet werden.“ Für die detaillierten Regelungen wird auf die oben angeführten Plandokumente verwiesen.

Kurzum, der Grüne Prater steht zu annähernd gleich großen Teilen im Eigentum der Republik Österreich sowie der Stadt Wien. Auf den Flächen des Bundes (Südwesten) gibt es jedoch wesentlich umfangreichere Schutzgebiete als auf Seiten der Stadt Wien (Nordosten), wo Widmungen für Erholungsgebiete, Sportanlagen und Sondergebiete dominieren.

Festgelegt und geändert werden Widmungen durch Verordnungen des Gemeinderats der Stadt Wien (siehe § 1 der Bauordnung für Wien). Zuletzt wurden beispielsweise Flächen rund um die Trabrennbahn in der Krieau von Erholungsgebieten in Gemischte Baugebiete umgewidmet (siehe Plandokument 8121 vom 20.02.2015), also Grünflächen im Prater reduziert.

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Nähere Informationen zum Flächenwidmungsplan der Stadt Wien finden sich auf folgender Adresse:

https://www.wien.gv.at/flaechenwidmung/public/

Autor: M.W.

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Wiesenportraits, heute: die Rotundenwiese

nicole schwarzplan prater.jpgWeiter geht´s im Wiesenreigen!
Heute gibt´s das Kurzportrait der Rotundenwiese, es ist jene Wiese bei der großen Prater-Hundezone, beim Hundewald, wo das Freilaufen von Hunden erlaubt ist.
Im Schwarzplan seht Ihr eine 4geteilte Wiese, geteilt durch die Kaiserallee und durch einen Fußweg.

nicole Hundewiese, Rotundenwiese-2.jpg

Lediglich die östliche Hälfte ist die Hundewiese, auf der westlichen ist Hundeverbot. Sowohl auf der einen als auch auf der anderen Hälfte lassen sich immer wieder Erholungssuchende zum Picknick nieder oder veranstalten bei einer Jauseninsel (Kinder-)geburtstage.
Insgesamt sind es ebene Wiesen ohne Topografie, mit einigem altem Baumbestand und informellem Charakter.

Die neu gebaute, angrenzende Wirtschaftsuniversität (WU) bringt Picknickverliebte StudentInnen, die rahmende Liliputbahn bringt Lärm, Staub und vor allem Kohlegeruch in die Wiesen.
Was fällt Euch als Erstes zur Rotundenwiese ein?

 

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von Nicole Raker

Fragt mal eure Oma!

Oder euren Opa oder eure Großtante oder euren Großonkel – wo es früher im und rund um den grünen Prater noch überall richtig schön GRÜN war. Ihr werdet euch wundern!!!

Ich erinnere mich z.B. an den Sportplatz Meiereistraße/Hauptallee (Union Trendspotzentrum Prater) mit den riesigen Bäumen. Dort ist jetzt stattdessen eine riesige Baum-freie Fläche mit Kunstrasen.

Oder an die ehemaligen Tennisplätze und Kindergarten entlang der Ausstellungsstraße. Dort gab‘s früher zahlreiche, riesige Bäume und Grünflächen. Jetzt steht da ein Hotel (MotelOne) und ein Studentenheim (Milestone).

Oder das ehemalige Gelände um die Trabrennbahn (vor allem um die Tribünen). Dort standen früher riesige Kiefern (siehe Bild) und es gab ganz viel Grün. Jetzt stehen dort Luxuswohnungen. Usw.

Was auch immer ihr herausfindet, posten es bei uns auf FB.

von Eva Müller

KaiserwiesenBaumportraits

Für alle die sich fragen welche Bäume auf der Kaiserwiese stehen, wie groß und wie alt sie sind, stellen wir sie ab sofort in kleinen Baumportraits vor. Die Bilder der heutigen beiden Portraits sprechen für sich! Das Alter dieser Riesen ist ob ihrer Art umso erstaunlicher, wenn man sich überlegt, wie sie durch die vielen, vielen Großveranstaltung unter keinerlei halbwegs vernünftiger und verantwortungsvoller Einhaltung von Schutzmaßnahmen geschunden werden. Wir verzichten aber bei den Baumportraits gerne auf die besagten Horroszenarien während der Großveranstaltungen, sondern zeigen die Bäume in ihrem freigestellten, jeweils aktuellen Zustand auf der Wiese. (Leider konnten wir den WinterCircus nicht wegzaubern…)

Sehr hilfreich und informativ für unsere Portraits ist der von der Stadt Wien angebotene Baumkataster, in dem die Bäume der Stadt kartiert und teilweise detailliert beschrieben sind. Wir greifen sehr gerne auf dieses hervorragende Archiv zu: https://www.wien.gv.at/umweltgut/public/

Baum 6

Graupappel (Populus x canescens)
Pflanzjahr 1864
Stammumfang 405cm
Kronendurchmesser >21m
Baumhöhe 26-30m

Baum 6_1

29.01.2019

Baumkataster_Baumnummer 06

Baum 6_2

29.01.2019

Baum 6_3

29.01.2019

Baum 18

Silberpappel (Populus alba)
Pflanzjahr 1812
Stammumfang 535cm
Kronendurchmesser >21m
Baumhöhe 21-25m

Baum 18_1

14.01.2019

Baumkataster_Baumnummer 18

Baum 18_2

14.01.2019

Baum 18_3

14.01.2019

von Eric Kläring

Ein Spaziergang im Grünen Prater

Die Aufnahmen entstanden am 30.12.2018 und 13.01.2019. In den Wochen davor hat es in Wien teils heftig gestürmt. Der Anblick der herumliegenden, aus dem Boden gerissenen oder gefällten Bäume hat zutiefst betroffen gemacht. Zeigt es doch, wie fragil der Grüne Prater mittlerweile ist. Das Alter der Bäume, Baumkrankheiten etc…  Natürlich gibt es diese Natureinflüsse auch anderswo. Doch wer schützt den Grünen Prater? Wie wird der Grüne Prater geschützt?

Zunehmende  Bebauung, Gastronomie und Eventisierung im und rund um den Grünen Prater sind jedenfalls kein Schutz, sondern gefährden bzw. zerstören das für die Leopoldstadt und Wien insgesamt so wertvolle Erholungsgebiet zusätzlich. Wer also schützt den Grünen Prater?

 

von Sabine Edler

Der rechtliche Status der Kaiserwiese

Im heutigen Beitrag wollen wir den rechtlichen Status der Kaiserwiese kurz darstellen.

1. Eigentumsverhältnisse

Das unter der Bezeichnung „Kaiserwiese“ bekannte, unmittelbar westlich des Wiener Riesenrads liegende, Grundstück ist im Grundbuch unter der Einlagezahl (EZ) 5899 in der Katastralgemeinde (KG) 01657 Leopoldstadt registriert. Die Grundstücksnummer (GST-NR) lautet 1330/1.

Eigentümer der Kaiserwiese ist die Stadt Wien. Dies bedeutet, dass letzten Endes die Organe der Stadt Wien über das Schicksal der Kaiserwiese entscheiden, und dafür auch den Wiener Wählern gegenüber politisch verantwortlich sind.

Die Stadt Wien dürfte die Verwaltung der Kaiserwiese auf die unter der Nummer FN 287898f im Firmenbuch registrierte Prater Wien GmbH übertragen haben, wobei der Öffentlichkeit keine genaueren Informationen darüber zugänglich sind. Die Prater Wien GmbH ist eine private Gesellschaft, welche jedoch – über Zwischenbeteiligungen – zu 100% im Eigentum der Stadt Wien steht. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass die Stadt Wien ein ihr gehörendes Grundstück durch eine rechtlich formal vor ihr getrennte, aber wirtschaftlich betrachtet ebenfalls ihr gehörende private Gesellschaft verwalten lässt. Dies ist insofern bemerkenswert, als die Stadt Wien durchaus zahlreiche der in ihrem Eigentum stehenden Grundstücke selber, also durch Magistratsbedienstete, verwaltet und auch über ausreichend eigene Ressourcen für die Verwaltung verschiedenster Arten von Grundstücken verfügt (wie etwa die Magistratsabteilungen 34 / Bau- und Gebäudemanagement, 42 / Stadtgartenamt, oder 69 / Grundstücksangelegenheiten).

2. Widmung und zulässige Nutzungen

Laut aktuellem Flächenwidmungsplan (Plandokument Nr. 7776 aus dem Jahr 2006) ist die Kaiserwiese als Erholungsgebiet Parkanlage (Epk) gewidmet.

Gemäß § 6 Absatz 2 der Bauordnung für Wien dienen „Erholungsgebiete der Erholung und der Gesundheit. Soweit der Bebauungsplan […] nichts anderes bestimmt, dürfen [auf Parkanlagen] Bauwerke nur insoweit errichtet werden, als sie für die Benützung und Erhaltung [der Parkanlagen] erforderlich sind.“ Für die Kaiserwiese liegen – soweit ersichtlich – keine Ausnahmebestimmungen im Bebauungsplan vor.

Nähere Informationen zum Flächenwidmungsplan der Stadt Wien finden sich auf folgender Adresse:

https://www.wien.gv.at/flaechenwidmung/public/

 

Plandokument 7776.  Festsetzung des Flächenwidmungsplanes und des Bebauungsplanes.

pd_7776

 

pd_7776__200

 

von M.W.

Wiesenportraits (Bericht vom Urbanize Festival 2015)

Im September 2015 wurden wir als BürgerInneninitiative „Kaiserwiese für alle! zum urbanize Festival eingeladen.  Es sollte eine Ausstellung zum Thema BürgerInnenbeteiligung im öffentlichen Raum entstehen – zudem gab es Workshops zur politischen Arbeit mit Unterstützung u.a. durch Christoph Schäfer von der Initiative „Planbude“, welche in Hamburg um die Essohäuser gekämpft hatte.
Außerdem eingeladen waren die Frisch-Initiative, das MOE, Stadtfrucht, …

Die ganze Sache war uns eine sehr große Ehre, wir haben soviel gelernt! und ist vor allem durch Euch, also durch das große Interesse an der Kaiserwiese, möglich gemacht worden. Unseren Beitrag zur Ausstellung haben wir bisher nicht online gezeigt – und möchten dies nun im Rahmen der Freitagsbeiträge nachholen.

nicole-ausstellung überblick

Hintergrund unserer Idee zum Ausstellungsbeitrag war die wiederkehrende Aussage der VeranstalterInnen und der damaligen Bezirksvertretung (Aufgepaßt! Inzwischen kommen solche Aussagen auch bereits von der neuen Bezirksvertretung!), dass die Kaiserwiese NUR xy% des Grünen Praters ausmache und außerdem sei der Grüne Prater so groß, wen störe denn da bitte das lächerlich kleine und lächerlich kurze Wiesnfest, schließlich möchte man auch mal einen Euro verdienen und das sei nunmal nicht anders möglich, NUR auf der Kaiserwiese.
Diese Aussagen haben wir als furchtbar tragisch und schmerzlich empfunden (und müssen sie auch jetzt wieder so empfinden!), sprechen sie doch für eine Geringschätzung des Grünen Schatzes, den wir vor unserer Haustüre anvertraut bekommen haben und auf den wir im Zuge wachsender Verdichtung und Asfaltisierung besser aufpassen, sprich: ihn schützen sollten.

Also wollten wir ganz sachlich herausfinden, wieviele Wiesen, wieviel Fläche und welchen Charakter hat der Grüne Prater eigentlich und kennen wir die alle?

Ein Prater – Wiesenportrait!

nicole schwarzplan prater
Das Ergebnis fanden wir am besten anhand eines „Schwarzplanes“ visualisiert, so wie Architekten im Lageplan die Häuser schwärzen, wollten wir gern den Prater schwärzen, denn er hat schließlich überaus wichtigen Bestand – nämlich Waldbestand!
Die Wiesen sollten weiß bleiben, damit deutlich wird, wieviel Fläche sie tatsächlich einnehmen. Sie sind ja die Lichtungen, auf denen man sich trifft, Sport treibt oder einfach nur herumlungert.

nicole zirkuswiese

Dieser Beitrag wird – wie Ihr bereits merkt – etwas weitreichender, daher wird hier vorerst ein Teil vorgestellt, und zwar die erste Wiese nach der Kaiserwiese aus der Innenstadt kommend. Wer nicht gut zu Fuss ist und also im Frühling ein paar  Sonnenstrahlen genießen und den Blick schweifen lassen möchte, muss also bis zur Zirkuswiese laufen, wenn die Kaiserwiese wieder einmal überschwemmt, verwüstet, verbaut oder durch den Wintercircus besetzt ist.
Welchen besonderen Charakter hat die Zirkuswiese? Für uns sind die säumenden Kiefern und die glatte, für Ballspiele perfekte Wiesenoberfläche besonders typisch.

Was meint Ihr?

von Nicole Raker