Kein Verbau der Venediger Au – Petitionspräsentation

­09.09.2022 10:00 Uhr, Rathaus Wien, Arkadenhof, Top 24

Für Euch veröffentlichen wir hiermit unsere Erläuterung zur im April eingebrachten Petition, die Stellungsnahmen der Stadt- und Bezirkspolitik findet Ihr auf der Petitionsseite:
https://www.wien.gv.at/petition/online/PetitionDetail.aspx?PetID=e963b2cc0d014f79a45325cb879249f8&fbclid=IwAR2U1iIkpaz4ZnLrfnDIOWKx-YOS7Hs4RbyjIoXa07q0god_GCJxjPk2ZxE

Wir haben die Petition erfolgreich eingebracht und gehen nun auf die 3 wichtigsten Punkte gegen den Verbau der Venediger Au ein:

1. Der falsche Standort

2. Verringerung Sportflächen

3. Errichtung entgegen dem Flächenwidmungs- und Bebauungsplan (illegale Verbauung)

Die Sportwiese im Venediger Au Park vor Baubeginn

1. Der falsche Standort

  • Wien ist eine äusserst lebenswerte Stadt.
  • In den letzten Jahren ist viel gutes passiert. Einiges läuft aber auch massiv schief.
  • Je mehr die Stadt wächst, um so wichtiger sind Erhalt und Ausbau der Grünflächen.
  • Gerade in Umgebung des Pratersterns hat sich viel getan. Nordbahnviertel, Unicampus,…
  • Hier wollen wir einhaken: Wir sind für sinnvolle Verdichtung. Gegen sinnlose Versiegelung. Vor allem gegen irreversible Schäden.
  • Wien wächst. Es gibt einen großen Zuzug und Wachstum an Personen. Hier passiert aber gleichzeitig der Fehler, wenn innerstädtische Grünflächen verbaut werden.
  • Wir sind also nicht gegen den Bau der Sporthalle, aber gegen die Versiegelung von innerstädtischen Grünflächen.
  • „Extensive Begrünung“ und Fassadenbegrünung ersetzten nicht das Biotop Venediger Au.
  • Erhalt „Lebenswerteste Stadt“ nur durch zeitgemäße Planung möglich und nicht durch Schnellschussaktionen wie das platzieren einer Halle mit viel heißer Luft an so einem sensiblen Platz. Wir leben nicht mehr im Zeitalter der Improvisation, sondern der Information und der Planung. Und wenn wir nicht aufpassen, werden wir von anderen Städten schneller überholt als uns lieb ist. Es geht hier nicht um Wettbewerb sondern um Qualitätssicherung.

2. Verringerung Sportflächen

  • Gesamt um 4.200m² gegenüber dem Ursprung:
  • Neue Halle ist um 1200m² kleiner
  • Verbauung Sportplatz: 3000m²

3. Errichtung entgegen dem Flächenwidmungs- und Bebauungsplan

  • §71WBO, MA21
  • Die Vorbildwirkung der Stadt Wien ermöglicht privaten Entwicklern in Zukunft ebenfalls Gesetzesverstöße
  • Der §71 wurde bisher in absoluten Ausnahmen gewährt. Er wird der Stadt Wien ab nun die gleichen Schwierigkeiten bringen wie seinerzeit der §69.

Weitere Punkte

  • Energiekosten 360.000 kWh pro Jahr: Heizlast / 40.000 kWh pro Jahr: Kühllast / 93.000 kWh pro Jahr: Stromverbrauch gegenüber maximal 40.000 kWh pro Jahr Eintrag durch die Photovolatik-Anlage am Dach – die wiederum die Fläche der extensiven Begrünung verringert)
  • Verkehrliches Konzept fehlt. Aussage der Politik: „Schau ma mal, dann seh ma schon.“
  • Nicht-Einhalten von Vergaberichtlinien
  • Dieser Bau ist nicht temporär, eine Ausnahmegenehmigung gemäß Baugesetz ist also unrechtmäßig und undemokratisch

Forderungskatalog

  • Öffnung der Wiese für Alle statt Einzäunen einer Halle – Sport- und Erholungswiese für ALLE
  • Ernsthafte und transparente Prüfung der Alternativstandort – sh Alternativvorschlag von Architekt Christian Eibel (wir in Kürze hier veröffentlicht)
  • Öffentlicher Wettbewerb zur Standortfindung
  • Niederschwelliger Zugang für Ideenwettbewerb für die Venediger Au mit Bürger:innenbeteiligung
  • Errichten einer öffentlichen Toilettenanlage (bereits jetzt dringend benötigt)
  • Einhalten der Klimaversprechen der Stadt Wien
  • Einhalten des Leitbildes „Grünräume“
  • Zukunftsorientierte, klimagerechte Stadtplanung
So könnte die Sportwiese im Venediger Au Park aussehen. Mit wenig Aufwand, gratis für Alle nutzbar.

Anhang

Grünflächenverbau in der Venediger Au:

Flächenwidmungs- und Bebauungsplan

Die blaue Linie deutet das Ausmaß der Halle an.

FLÄCHENWIDMUNGSPLAN (§4)

Hier ist laut Flächenwidmungsplan keine Bebauung erlaubt! Die Stadt Wien macht es trotzdem.

GRÜNLAND

Erholungsgebiete

Sport- und Spielplätze Esp

Auszug Bauordnung Wien:

§ 6.(2) Erholungsgebiete dienen der Erholung und der Gesundheit. Soweit der Bebauungsplan gemäß § 5 Abs. 4 lit. e nicht anderes bestimmt, dürfen innerhalb der im § 4 Abs. 2 Punkt A lit. b genannten Widmungen Bauwerke nur insoweit errichtet werden, als sie für die Benützung und Erhaltung dieser Gebiete erforderlich sind.

Besondere Bestimmungen gemäß § 5 Abs.4 der BO für Wien mit Plandarstellung:

4.1. Auf der mit BB1 bezeichneten und als Grünland/Erholungs-gebiet/Sport- und Spielplatz gewidmeten Grundfläche dürfen keine Gebäude errichtet werden.

Entgegnung zu den Stellungnahmen, die bisher von der Stadt Wien eingebracht wurden:

ASKÖ:

– „Schaffung und Erhaltung von Sportstätten“:

Durch das gegenwärtige Projekt gehen insgesamt 4200m² an Sportflächen in der Leopoldstadt verloren: Die neue Halle wird 1200m² kleiner als die alte, noch dazu wird sie auf einer bestehenden Freiluftsportanlage errichtet, die dadurch um 3000m² verkleinert und somit teilzerstört wird.

– „Im Zuge des Umbaus werden auch die bestehenden Outdoorflächen neu angelegt und modern nutzbar gemacht“

 – „Die kostenlose Nutzung des Außenbereichs bleibt bestehen“

–  „Die umliegende öffentliche Parkanlage bleibt unberührt.“

– „Nachhaltige und klimafitte Bauweise mit Fotovoltaik-Anlage am Dach, einem Gründachteil und

mit bodengebundener Fassadenbegrünung“

All das könnte (und sollte) auch ohne die Zerstörung von 3000m² innerstädtischem Grünraum geschehen.

– „Ganzjährige sportliche Nutzung wird durch Errichtung der Halle möglich“

– „Lage: zentral und mit öffentlichen Verkehrsmitteln bestens erreichbar 2. Im direkten

Einzugsbereich von Schulen und Kindergärten“

Dies wäre auch an einem anderen, besser geeigneten Standort möglich.

Außerdem kann auch eine Freiluftanlage ganzjährig genutzt werden, noch

dazu bei den zunehmend steigenden Temparaturen.

Stadtrat Czernohorsky:

– „Kein Quadratmeter öffentliches Grün und kein Parkbaum dieser innerstädtischen Parkanlage geht durch die kommende Sport & Fun-Anlage verloren“:

Tatsache ist, dass 3000m² innerstädtische Grün- und Sportfläche ohne Not versiegelt werden. Die Differenzierung zwischen Parkanlage und Sportanlage der MA 51 ist in dem Zusammenhang Wortklauberei, da beides der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollte.

Stadtrat Hacker:

-“Nach dem Leitbild Grünräume der Stadt Wien wurde die Jugendsportanlage der Kategorie „Wandelbares Grün“ zugeordnet. Das bedeutet, Grünräume, deren Qualitäten auch in Zukunft erhalten bleiben. Ihre Lage oder ihr Zuschnitt dürfen sich, unter der Voraussetzung, dass die Grünraumfunktion erhalten und verbessert wird, ändern“

-“Aufgrund der ökologischen Architektur (klimazertifiziertes Gebäude) mit extensiver Dachbegrünung und vierseitiger Fassadenbegrünung ist der Erhalt der Grünraumfunktion gegeben. Für das Errichten ist lediglich ein Baum zu fällen, der – in Kooperation mit der zuständigen Magistratsabteilung – adäquat ersetzt wird.

Dies ist faktisch unrichtig. Die Versiegelung von Erdboden kann weder durch Dach- noch Fassadenbegrünung noch durch einen bestimmten Gebäudestandard wettgemacht werden, auch nicht hinsichtlich Mikroklima.

Unversiegelter Erdboden übernimmt viele wesentliche Aufgaben (Kühlfunktion, Wasserhaushalt, Filterungfunktion, Lebensraum für Pflanzen, und Mikroorganismen Tiere, Begehbarkeit,…), welche durch Gründächer und bewachsene Fassaden nicht kompensiert werden können. Die in der Kategorie „Wandelbares Grün“ geforderte Erhaltung und Verbesserung der Grünraumfunktion ist somit keinesfalls gegeben.

„Aktuell rechnen wir nicht mit mehr Verkehr“, so Bezirksvize Christoph Zich (SPÖ) und versichert:

„wenn es aber doch dazu kommt, dann werden wir uns eine Lösung überlegen.“

http://www.meinbezirk.at/leopoldstadt/c-sport/neue-details-zur-sport-und-fun-halle-in-der-venediger-au_a5257087#gallery=null

Für eine neue 3000m² große Sporthalle gibt es also laut Vize- Bezirksvorstand Christoph Zich kein Verkehrs- oder Parkplatzkonzept. Dies kann nur als stümperhaft bezeichnet werden.

Schätzung Energiebedarf

Petition – >500 Unterstützer:innen haben unterzeichnet

In ca. 2 Winter-Monaten haben ohne große Anstrengungen mehr als 500 Menschen die Petition gegen die Verbauung der Venediger Au unterzeichnet! Wir hoffen nun zum nächsten Termin am 09.05.2022 ins Rahthaus zum Gemeinderatsausschuss für Petitionen eingeladen zu werden!
Sollte vorher noch wer das Anliegen Unterstützen wollen, dann bitte am 07.04.2022 15 – 19 Uhr zur Informationsveranstaltung in die Jugendsportanlage kommen!
Anmeldung bis zum 05.04.2022 unter post@bv02.wien.gv.at

Abgabe der Unterschriften am 23.03.2022

Petition auch online unterzeichen

Die Petition „Gegen die Verbauung Venediger Au“ kann auch online mit Handysignatur unterstützt werden.

>>>>> „Gegen die Verbauung Venediger Au“

Auf der Petitionsplattform der Stadt Wien kann aber auch die Unterschriftenliste herunter geladen werden und diese dann ausgedruckt und händisch unterschrieben werden.
Abgabe der Unterschriftenlisten weiterhin wie folgt:

Abgabe Unterschriftenliste:
Ihr könnt die Unterschriftenliste (Datum nicht vergessen!), auch nur mit einer einzigen Unterschrift, jeden Mittwoch während der Öffnungszeiten der Lebensmittelkooperative im Vereinslokal Synkoop.at
von 16:00 – 19:00 Uhr abgeben. Außerhalb der Öffnungszeiten könnt Ihr die Listen in den weißen Briefkasten am Zaun des Vorgartens einwerfen.

Adresse:
Verein Synkoop.at
Arnezhoferstr 1 (Ecke Venediger Au 4)
1020 Wien

Gegen die Verbauung der Venediger Au!

Wir als KFA! unterstützen das Anliegen der in Wien lebenden Menschen, die sich gegen die Verbauung der Venediger Au positionieren! Dieser an den Praterstern angrenzende Park mit Erholungs- und Sportflächen befindet sich in direkter Nachbarschaft zu Kaiserwiese und Prater.

Es formiert sich eine Initiative gegen den von der Stadt Wien angekündigten Bau der Funsporthalle auf dem Gelände der jetzigen Sportanlage in der Venediger Au. Ab sofort werden Unterschriften für eine Petition gegen die Verbauung der Venediger Au gesammelt – Unterstützer*innen willkommen!
Die Petition wird beim Petitionsausschuss der Gemeinde Wien eingereicht werden. Momentan sind nur analoge Unterschriften möglich, in Kürze wird auch eine digitale Unterzeichnung möglich sein, bitte habt noch etwas Geduld.

Petition
Venediger Au bleibt! Die Venediger Au, inklusive Sport- und Kinderspielplätzen, ist als Erholungsgebiet Parkanlage mit besonderer Bestimmung (EPK BB) und Parkschutzgebiet (SPK) gewidmet. Wir als Nutzer*innen der Venediger Au, Nachbarinnen und Bürgerinnen der Stadt Wien positionieren uns gegen eine Verbauung und/oder Versiegelung der Park- , Erholungs- und Sportanlagen. Wir lehnen die Errichtung einer Funssporthalle nicht ab, sehen diese jedoch keinesfalls in der Venediger Au oder anderen unversiegelten Park- und Erholungsräumen! Eine zukunftsweisende und transformative Stadtplanung sollte Grünflächen pflegen und erweitern, nicht ohne Bürgerinnenbeteiligung verbauen!

Abgabe Unterschriftenliste:
Ihr könnt die Unterschriftenliste (Datum nicht vergessen!), auch nur mit einer einzigen Unterschrift, jeden Mittwoch während der Öffnungszeiten der Lebensmittelkooperative im Vereinslokal Synkoop.at
von 16:00 – 19:00 Uhr abgeben. Außerhalb der Öffnungszeiten könnt Ihr die Listen in den weißen Briefkasten am Zaun des Vorgartens einwerfen.

Adresse:
Verein Synkoop.at
Arnezhoferstr 1 (Ecke Venediger Au 4)
1020 Wien

>>>>> download Unterschriftenliste

Presse:
Venediger Au weh: Wien sucht neuen Standort für Sporthalle
Neue Wiener „Sport & Fun“-Halle wird am Praterstern errichtet
Neue Sport & Fun Halle kommt in die Venediger Au
Neue „Sport & Fun“-Halle am Praterstern

Falschdarstellung der Eigentumsverhältnisse an der Kaiserwiese in der BZ

Zu den Besitzverhältnissen an der Kaiserwiese haben wir am 25. Jänner 2019 einen Beitrag verfasst. Hier eine kurze Zusammenfassung:

Das unter der Bezeichnung „Kaiserwiese“ bekannte Grundstück (die Wiese zwischen Praterstern und dem Riesenrad) steht seit 1958 unverändert (d.h. ohne zwischenzeitige Veränderung der Eigentumsverhältnisse) im Eigentum der Stadt Wien (siehe Katastralgemeinde 01657 Leopoldstadt, Einlagezahl (EZ) 5899).

Laut aktuellem Flächenwidmungsplan (Plandokument Nr. 7776) ist die Kaiserwiese als Erholungsgebiet Parkanlage (Epk) gewidmet.

Die Kaiserwiese als „Privatgrund“ zu bezeichnen erfordert einen ziemlich „verwegenen Interpretationsansatz“. Bei einer solchen Auslegung müsste dann auch der gesamte Grüne Prater als „Privatgrund“ angesehen werden, gehört er doch – den grundbücherlichen Eigentumsverhältnissen zufolge – teilweise der Stadt Wien und teilweise der im Eigentum der Republik Österreich stehenden BIG.

Autor M.W.

Kaiserwiesn 2021

Aus der Presse haben wir erfahren, dass in Kürze – nämlich im September diesen Jahres – ein neues, ein anderes (und doch so altbekanntes) Fest auf der Kaiserwiese geplant ist, obwohl das „Wiener Wiesn Fest“ für 2021 aufgrund der Pandemie längst für abgesagt erklärt wurde.
Folgenden Brief haben wir daraufhin an die Bezirksvorstehung Leopoldstadt formuliert:

„Sehr geehrter Herr Stadtrat KommR Hanke,
sehr geehrter Herr Bezirksvorsteher Nikolai,

wir haben erfahren, dass trotz Absage der Wiener Wiesn 2021 wieder eine mehrwöchige Veranstaltung
auf der Kaiserwiese – die Kaiserwiesn – geplant ist. Über denselben Zeitraum, an dem auch die
Wiener Wiesn geplant gewesen wäre: 23.09 – 10.10.2021.

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20210715_OTS0010/premiere-fuer-die-kaiserwiesn
https://kaiserwiesn.at/
https://branchenblatt.at/agenturen/eventagenturen/5138-die-kaiserwiesn-wird-wieder-bef%C3%BCllt.html

Für uns als BI „Kaiserwiese für Alle“ stellen sich nun mehrere Fragen und wir erlauben uns,
diese Fragen an Sie, Herr KommR Hanke, als explizit in der Presseaussendung genannten Vertreter der Stadt
und an Sie, Herr Nikolai, als zuständigen Bezirksvorsteher, zu richten:

  • In der Presseaussendung zur „Kaiserwiesn“ heißt es, dass für heuer eine „kleine“ Ausgabe der Veranstaltung
    geplant ist, um dann „im nächsten Jahr durchzustarten“. Was bedeutet dies für die öffentliche Kaiserwiese
    im Naherholungsgebiet Grüner Prater?
  • Wird es künftig eine Wiener Wiesn und eine Kaiserwiesn geben?
  • Wie schaut das Verkehrskonzept aus? Wird es wieder Schwerverkehr auf der Hauptallee geben?
  • Wie schaut das Lärmschutzkonzept aus? Wird es wieder Musikveranstaltungen bis in die späten Abendstunden geben?
  • Wie und wann gab es eine Bürgerbeteiligung in der Planung? In der Presseaussendung vom 15. Juli 2021
    wurde das erwähnt: „Bereits im Vorfeld geht es um ein harmonisches Miteinander.
    So werden Anrainer … intensiv in die Planungen mit einbezogen.“ Wir hören jetzt zum ersten Mal von dieser
    wahrscheinlich bereits fertig geplanten Veranstaltung. 
  • inwiefern wird sich das geplante Fest einschließlich Auf- und Abbauarbeiten mit der 30-Tage-Regelung
    zur Kaiserwiesen-Nutzung vertragen?
  • Wie kann eine mehrwöchige Veranstaltung trotz rasant steigender Coronavirus-Neuinfektionen für Herbst geplant werden?
  • wird es wieder ein verbindliches Baumschutzkonzept geben, wie zuletzt für die „Wiener Wiesn“?

Gerade in der Pandemie hat sich gezeigt, wie enorm wichtig konsumfreie Plätze bzw. Grünflächen, Parks, etc.
für die Stadtbewohner*innen sind. Die Kaiserwiese wurde schon immer in den veranstaltungsfreien Zeiten und
seit der Pandemie ständig, intensiv von vielen Menschen genutzt. Sei es, um Freiluftsport auszuüben oder einfach
nur um die Seele baumeln zu lassen. Sie erfreut sich großer Beliebtheit als eine frei zugängliche öffentliche
Wiese – auch als Eingang in den Grünen Prater (der zudem eh schon das vergrößerte Feuerdorf und die Großgastronomie
Allee und Eisgreissler verkraften muss).

Wir ersuchen Sie deshalb um ehestbaldige Information, welche Pläne es hier seitens der Stadt Wien und der
Bezirksvorstehung gibt, diese für die Stadtbewohner*innen so beliebte und in Zeiten einer Pandemie noch wichtiger
gewordene freie Wiese erneut zu einem Ort von Großveranstaltungen zu machen und unsere Fragen dahingehend zu beantworten.

Wir bedanken uns im Voraus und verbleiben
mit freundlichen Grüßen
BI Kaiserwiese für Alle


…………………………………………………

Kaiserwiese Für Alle!
Prater
1020 Wien


KaiserwiesenBaumportraits

Sommer 2021, die Kaiserwiese hat bereits ein Jahr ohne Wiener Wiesn auskommen dürfen, ein weiteres wird folgen.
Es wird jedoch leider jedes Jahr mindestens ein Baum gefällt, der Trockenheit, Krankheit oder zu intensiver Nutzung zum Opfer fällt.
Vor kurzem hat es den Baum Nummer 20 erwischt!
Es war ein Ahorn, der wohl wie seine beiden Nachbarbäme in der Nachkriegszeit ca. 1948/49 gepflanzt wurde. Der Baumkataster gibt leider keine Informationen dazu mehr her. Er sah bereits vor einem Jahr sehr schlecht aus, wie die folgenden Bilder aus dem April 2020 deutlich zeigen und wird laut Baumkataster der Stadt Wien nun durch einen Jungbaum ersetzt.
Wir hoffen sehr, dass der Jungbaum eine intensive, mehrjährige Anwuchspflege geniessen wird, da ihm sonst der baldige Tod droht. Besonders bei zukünftigen Veranstaltungen wird hier besonders darauf zu achten sein genügend Abstand zu den sensiblen, jungen Wurzeln zu halten!


Neun Mal „Wiener Wiesn“ auf der Kaiserwiese

Zum nunmehr neunten Mal findet die Großveranstaltung „Wiener Wiesn“ auf der Kaiserwiese statt. Bevor im kommenden Jahr also das traurige zehnte Jubiläum begangen wird – ein Blick auf neun Mal Großveranstaltung auf der Kaiserwiese. Von den grünen Flächen in den Übersichtsplänen darf man sich natürlich nicht täuschen lassen. Die reale Verwüstung kann man gerne hier nachsehen:

https://www.flickr.com/photos/kaiserwiesefueralle

Die Wiese wird zerstört, Zelte und Almen werden ohne Rücksicht auf Bäume platziert und die Prater Hauptallee wird stark beeinträchtigt. Dem Wachstum der „Wiener Wiesn“ gegenüber steht eine massive Belastung für die AnrainerInnen und die kommerzielle Ausbeutung eines Naherholungsgebietes. Auch im Jahr 2019 werden wir nicht müde zu sagen – eine Veranstaltung in dieser Größenordnung hat in einem Naherholungsgebiet absolut nichts zu suchen!

23. September bis 2. Oktober 2011

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Drei Zelte: Gösser-Zelt, Wiesbauer- Zelt, Wojnas-Zelt

150.000 BesucherInnen im Jahr 2011 lt. Veranstalter.

27. September bis 7. Oktober 2012

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Drei Zelte: Gösser-Zelt, Wiesbauer- Zelt, Wojnas-Kaiserzelt

plus eine Alm: Wiesn-Alm und ein Wiesn-Dorf

165.000 BesucherInnen Im Jahr 2012 lt. Veranstalter.

19. September bis 13. Oktober 2013

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Drei Zelte: Gösser-Zelt, Wiesbauer- Zelt, Wojnas-Kaiserzelt

plus zwei Almen: ORF-Wiener Wiesn-Fest-Alm und erstmals Winzer-Stadl (Rosis Alm) und das Wiesn- Dorf

200.000 BesucherInnen im Jahr 2013 lt. Veranstalter.

25. September bis 12. Oktober 2014 

Drei Zelte: Gösser-Zelt, Wiesbauer- Zelt, Wojnas-Kaiserzelt

plus vier Almen: ORF-Wiener Wiesn-Fest-Alm, Winzer-Stadl (Großarltal Alm), Austria Trend Hotels- Heuboden-Alm, Penny- Oxxenkracherl-Alm und das Wiesn-Dorf

250.000 BesucherInnen im Jahr 2014 lt. Veranstalter.

(Leider kein Übersichtsplan für 2014 vorhanden, aber vermutlich wie der von 2015- da bereits vier Almen)

24. September bis 11. Oktober 2015 2015.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

Drei Zelte: Gösser-Zelt, Wiesbauer- Zelt, Wojnas-Kaiserzelt

plus vier Almen: ORF-Wiener Wiesn-Fest-Alm, Penny-Ich bin Österreich-Alm, Winzer-Stadl (Kärntner Almwirt), Heuboden-Alm (Kärntner Seewirt) plus Servus-in Stadt & Land-Festbühne und das Wiesn-Dorf

300.000 BesucherInnen im Jahr 2015 lt. Veranstalter.

22. September bis 9. Oktober 2016 2017.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Drei Zelte: Gösser-Zelt, Wiesbauer- Zelt, Wojnas-Kaiserzelt plus fünf Almen: ORF-Wiener Wiesn-Fest-Alm, Penny-Ich bin Österreich-Alm, Merkur-Alm Zum lustigen Fränz, Genuss-Spechte-Alm, Champagner-Alm plus Billa Festbühne und das Wiesn-Dorf

350.000 BesucherInnen im Jahr 2016 lt. Veranstalter.

21. September bis 8. Oktober 2017

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Drei Zelte: Gösser-Zelt, Wiesbauer- Zelt, Wojnas-Kaiserzelt

plus fünf Almen: ORF-Wiener Wiesn-Fest-Alm, Schladming-Dachstein Heuboden Alm, Wienwein Winzer-Stadl, Penny-Ich bin Österreich-Alm, Veuve Clicquot Champagner-Alm plus Billa Festbühne und das Wiesn-Dorf

350.000 BesucherInnen im Jahr 2017 lt. Veranstalter.

27. September bis 14. Oktober 2018

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Drei Zelte: Gösser-Zelt, Wiesbauer- Zelt, Wojnas-Kaiserzelt

Plus fünf Almen: ORF-Wiener Wiesn-Fest-Alm, Schladming-Dachstein Heuboden Alm, Wienwein Winzer-Stadl, Penny-Ich bin Österreich-Alm, Veuve Clicquot Champagner Alm plus Billa Festbühne plus das Wiesn-Dorf

400.000 BesucherInnen im Jahr 2018 lt. Veranstalter.

26. September bis 13. Oktober 2019

2019.jpgDrei Zelte: Gösser-Zelt, Wiesbauer- Zelt, Wojnas-Kaiserzelt

plus fünf Almen: ORF- Wiener Wiesn-Fest-Alm, Schladming-Dachstein Heuboden Alm, Wienwein Winzer-Stadl, Penny-Ich bin Österreich-Alm, Veuve Clicquot Champagner Alm plus Billa Festbühne und das Wiesn-Dorf

BesucherInnen für das Jahr 2019 noch offen.

 

Autorin: Sabine Edler

Der Trachten – Sneaker

Es ist das Wochenende der mehr als 3-wöchigen Wiener-Wiesn-Veranstaltung auf der Kaiserwiese,  sodass ich Euch einige Gedanken zum äußeren Erscheinungsbild dieses Mega-Events nicht vorenthalten möchte.

Trachten-1.JPG

Angestachelt durch den just im Kurier erschienenden Artikel, der den „Wiesn für daheim“-Baukasten und die Einweg-Lederhose aus Plastik beschreibt, aber auch mit der Frühlingswiesn und naheliegenderweise mit der Dauer-Wiesn auf der Kaiserwiese droht, habe ich mich gefragt, wie so ein importiertes Volksfest mit zweifelhafter Tradition eigentlich in Wien so explodieren konnte. Wir stehen staunend daneben, wenn 14jährige Mädchen mit barbusigem Dekolleté (welches Mama und Papa ohne Traditionskontext vermutlich nicht erlaubt hätten), gerahmt von Synthetik-Spitzen, sowie erwachsene Männer, deren stramme Waden in Polyester-Stulpen in Strickoptik getunkt sind, uns ab 12.00 mittags am Gehsteig in der Venediger Au sowie am Lift der U2 entgegenkommen.

Wenn ich das Dirndl, die Tracht und die Herkunft ein wenig erforsche, stoße ich auf Begriffe wie „traditionell, historisch, regionaltypisch“ oder davon, dass sie die „Zugehörigkeit zu einem Stand,  einer Konfession oder einer Bevölkerungsgruppe“ unterstreicht, aber vor allem die Begriffe „bäuerlich“ und „ländlich“ tauchen immer wieder auf, und zwar international.  „Handwerkskunst“, ok das interessiert mich, da lese ich weiter, die Schürze mit ihren Stickereien unterstreiche die Macht der Trägerin, sie hat dort schwere wichtige Schlüssel am Schlüsselband versteckt. Jetzt habe ich einen Hoffnungsschimmer, dass das Dirndl versteckte Informationen über ganz frühen geheimen Feminismus symbolisiert.

Trachten-6.JPG

Stattdessen muss ich von der braunen Vergangenheit des derzeit „modernen“ Dirndls lesen. Während das ursprüngliche, wirklich alte Dirndl von der südtiroler Ethnologin Elsbeth Wallnöfer als „ein grobes, wenig schmeichelhaftes Gewand ohne modischen Schnitt, das ganz im Sinne der katholischen Kirche mehrheitlich dazu diente, Arme, Beine und Dekolletee zu verdecken“ beschrieben wird, taucht das Plastik-Dirndl Ende der 1930er-Jahre in deutschen Modezeitschriften als Schnittmuster auf – mit dem Hinweis, „dass es jüdischen Frauen untersagt sei, diese Art von Kleidern zu tragen.“ Schockierend: Erst im Hitler-Deutschland wurde das Dirndl armfrei, sexy, mit angehobener Schürze.
(mehr vom Nazi-Kontext im Zeit Artikel, sh unten)

Eine auffallend positive Gegendarstellung liefert „Reclaim the Dirndl“, eine Gruppe Österreicherinnen,  die sich gegen Diskriminierung & Extremismus engagieren:

„Meine Tracht ist der Widerstand“ und „Never let the fascists have the Dirndl“,und denke hey, das ist ja richtig spannend! ob das auch beim Wiesn-Fest vorkommt??? Und warum findet so ein Fest mitten im urbanen Zentrum einer Stadt ohne Brauereitradition statt?

Mit diesen offenen Fragen und noch mehr Bildern vom Discount-Dirndl möchte ich gemäß Elsbeth Wallnöfer meinen heutigen Freitagsbeitrag abschließen:
„Wenn die Discounter Billig-Dirndl verkaufen, schließt sich der Kreis.“

Trachten-4.jpgTrachten-7.jpgTrachten-8.jpg

Übrigens gibts morgen, Samstag, 28. September am Ilgplatz einen Infostand von kfa ! beim Stuwerviertel Straßenfest (https://www.facebook.com/events/ilgplatz-1020-wien-%C3%B6sterreich/stuwerviertel-stra%C3%9Fenfest/455471141702009/ http://treffen.stuwer.info/).
Dort treffen wir uns, die weltlichen StädterInnen, ganz ohne Tradition und ohne viel Geschichte. Anziehen darf sich jeder wie er will – auch ein Dirndl! – ich schwöre!

Quellen der zitierten Texte:
„Immerwährende Wiesn“, Guido Tartarotti

Kurier-.JPG
https://www.zeit.de/2019/28/dirndl-trachtenmode-tradition-erotik
https://www.das-buendnis.at/magazin/reclaim-the-dirndl
Radiosendung
https://cba.fro.at/385463

Quellen der Discount-Fotos:
Google Bildersuche

Autorin: Nicole Raker