Kommerz um jeden Preis?

Nach dem Palazzo 2014 hat es 2018/2019 also tatsächlich wieder eine mehrmonatige Veranstaltung – der Wintercircus – auf die Kaiserwiese geschafft. Die Kommerzialisierung der Kaiserwiese steht exemplarisch für den allgemeinen Trend, öffentlichen Freiraum für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Dass es mit der Kaiserwiese eine Grünfläche trifft, ist besonders bitter. In Zeiten, wo sich weltweit jeden Freitag abertausende Schüler*innen zu Demonstrationen „Fridays for Future“ zusammentun, um gegen den Klimawandel und für ihre Zukunft zu streiken, wird in Wien der Wert des Grünen Praters nicht und nicht erkannt.

Die Begehrlichkeiten an Grünflächen hören nicht bei der Kaiserwiese auf, sondern werden auch immer mehr in den Grünen Prater verschoben. In den letzten Jahren haben diverse Laufevents in der Hauptallee zugenommen, die teilweise (der X-Cross Run 2018) sogar durch Landschaftsschutzgebiet führten. Diese Routenführung wurde lt. der Bezirksvorstehung für heuer glücklicherweise nicht mehr genehmigt. Diese Eventisierung und neue Wohnbauten (WU, Krieau, Nordbahnhofviertel und bereits begonnen – das Prater Glacis in der Perspektivstraße), sprich auch starker Bevölkerungswachstum im 2. Bezirk, machen den Grünen Prater zusehends für Gastronomie und Sportflächen interessant. Wenn man darauf aufmerksam macht, geht es relativ schnell, als Spaßverderber*in dazustehen. Offenbar ist es nicht mehr zeitgemäß, dass Menschen einfach nur die Ruhe in der Natur – die der Grüner Prater sehr wohl bietet – genießen. Oberstes Gebot ist es, sich bespaßen zu lassen und zu konsumieren.

In weiteren Wochenbeiträgen werden wir einen Blick auf die in den letzten Jahren entstandenen bzw. ausgebauten Gastronomie- und Sportflächen werfen. Den Start macht die Pratersauna. Zwar nicht direkt, aber gleich neben dem Erholungsgebiet gelegen. Nachdem die beiden letzten Pächter die zum Club generalsanierte Pratersauna Ende 2015 geschlossen haben, wurde die Location vom jetzigen Besitzer 2016 revitalisiert. Die alte Mauer wurde abgerissen, der Garten erweitert und Sand in den Gartenbereich gekarrt. Das mag alles legitim sein, dennoch darf man sich schon die Frage stellen, warum es notwendig ist, Grün zu entfernen, um dann in einem Beachclub im eigentlich Grünen zu sitzen.

Autorin: Sabine Edler

Fotos: 2016

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